Von: Andreas S.
Stealth-Technologie

Passivradar macht Stealth-Flugzeuge sichtbar

Eine neue Radartechnik aus Deutschland könnte das Aus für moderne Tarnkappenflugzeuge bedeuten. Während die sogenannten Stealth-Fighter bisher von einem Radar praktisch nicht zu orten waren, sind sie auf den Bildschirmen des neuen Passivradars klar und deutlich zu erkennen.

Ein Stealth-Flugzeug der U.S. Air Force.
© U.S. Air Force

Unterschleißheim (Deutschland). Die U.S.A, Russland und auch China investieren jährlich mehrere Milliarden Dollar in die Stealth-Technologie, welche hauptsächlich Flugzeuge für aktive Radaranlagen unsichtbar macht. Das neue Passivradar aus dem Hause EADS verbessert nicht nur die bisherige Radartechnik in Sachen Technologie und Anschaffungskosten, sondern ermöglicht auch das exakte Orten sogenannter schwer detektierbarer Flugobjekte und bleibt dabei selbst "unsichtbar".

Die Grundidee zu einem Passivradar, welches keinen eigenen Radarsuchstrahl mehr in die Erdatmosphäre schickt, ist nicht neu. Bereits im Jahr 2002 präsentierte der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin ein ähnliches System, welches allerdings nicht so zuverlässig arbeitete und noch einige Fehler aufwies. Auch Frankreich, Schweden, Russland und China arbeiten derzeit unter Hochdruck an einem funktionierendem Passivradar.

Das deutsche Passivradar unterscheidet sich in drei wesentlichen Punkten von einem herkömmlichen Radar. Die Anschaffung einer solchen Radarantenne ist deutlich günstiger als die einer Aktivradaranlage. So können Passivradaranlagen flächendeckend eingesetzt werden, da ihre momentane Ortungsreichweite nur etwa 200 Kilometer, bei einer Ortungsgenauigkeit von ca. 10 Metern, beträgt. Der Große Vorteil, der einen signifikanten Unterschied zum Aktivradar darstellt, ist der Verzicht auf das Aussenden eines Radarstrahls. Bisher waren Radaranlagen von Militärflugzeugen anhand dieses Radarstrahls genau zu orten und konnten noch während des Fluges als Ziel markiert werden.

Ein Passivradar nutzt zur Ortung die zahlreichen Funk-, Radio- und Fernsehfrequenzen, die praktisch zu hunderten den gesamten Luftraum durchfluten. Dabei produziert jedes Flugobjekt, während es sich durch die unterschiedlichen Sendefrequenzen bewegt, ein deutliches Echo, ähnlich wie ein Fisch, der im Wasser schwimmt. Dieses Echo wird von einem Passivradar aufgenommen und verarbeitet. So lassen sich von Modellflugzeugen bis hin zu modernen Tarnkappenflugzeugen alle Objekte in einem Luftraum in Echtzeit orten. Der Grund, warum das Passivradar selbst Tarnkappenflugzeuge orten kann, liegt in den spezifischen Eigenschaften dieser Flugzeuge. So ist deren Oberflächenrekonstruktion zwar auf die Radarabsorption von unten auftreffenden Radarstrahlen optimiert und die radarstrahlenschluckende Lackierung speziell auf die Frequenzen von Radarstrahlen ausgerichtet, aber da bei der Ortung durch ein Passivradar auf zahlreiche Frequenzen, die sich deutlich von normalen Radarstrahlen unterscheiden, zurückgegriffen wird, werden selbst Tarnkappenflugzeuge auf dem Radar sichtbar. Auch mobile Störsender, sogenannte "Jammer", können ihren Zweck bei der passiven Ortung nicht erfüllen.

Diese neue Radar-Technologie zwingt die großen Rüstungskonzerne zum Umdenken. Entweder wird langfristig die Entwicklung neue Tarnkappenflugzeuge eingestellt oder man wird versuchen die Echos hunterter unterschiedlicher Frequenzen zu unterbinden, was sich als äußerst schwierig herausstellen dürfte.

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