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Von: Dennis L.
Anders als bisher gedacht

Wie die erste Beziehung unsere Persönlichkeit beeinflusst

Fast jeder glaubt, dass die erste feste Beziehung im Leben großen Einfluss auf die eigene Persönlichkeit gehabt hat. Deutsche Psychologen haben nun herausgefunden, dass dies nicht so ist. Viel mehr nimmt die Beziehung die wir mit Mitte 20 führen einen merklichen Einfluss auf beispielsweise unsere emotionale Stabilität oder unser Selbstbewusstsein. Jedoch betonen die Forscher auch, dass sich Beziehung und Persönlichkeit in diesem Zeitraum stark gegenseitig beeinflussen.

Die erste Liebe - welchen Einfluss hat sie auf unsere Persönlichkeit?
© See-ming Lee / wikipedia.org

Berlin (Deutschland). Ganz gleich ob es die große Liebe in der Schule oder die erste Beziehung in den Sommerferien war: Die erste feste Beziehung kann unser ganzes Leben prägen – so die weit verbreitete Annahme. Selbst Psychologen gingen bisher davon aus, dass junge Menschen ihre Persönlichkeit in der erste festen Beziehung maßgeblich weiterentwickeln. Den Grund dafür sah man vor allem an den neuen Rollen, die Menschen in einer gemeinsamen Partnerschaft übernehmen.

Die große Liebe – wissenschaftlich begleitet

Bisherige Untersuchungen zu diesem Thema haben jedoch einen Haken, wie Jenny Wagner von der Humboldt-Universität in Berlin erklärt: „Problematisch ist, dass bisher zu wenig berücksichtigt wurde, ob sich Personen, die frühzeitig eine Partnerschaft eingehen, vielleicht schon von vornherein von denjenigen unterscheiden, die sich erst später binden.“ Also stellt sich die Frage: Hängt der Einfluss auf die eigene Persönlichkeit tatsächlich stark von der ersten Beziehung ab, oder lediglich vom Alter, in dem wir die erste Beziehung eingehen?

Um dies erstmals bei einer Studie zu berücksichtigen, analysierten Wagner und ihre Kollegen die Daten von 312 jungen Menschen in einem Zeitraum von 2004 bis 2008. Dabei wurden das erste Mal die Persönlichkeitseigenschaften, das Selbstbewusstsein, die Lebenszufriedenheit sowie Neigungen und Depressionen dokumentiert. Zu diesem Zeitpunkt waren die Probanden 21 Jahre alt und hatten noch keine Beziehungserfahrungen. Besagte Befragung wiederholten die Forscher zweimal im Abstand von jeweils zwei Jahren. Natürlich dokumentierten die Forscher dabei auch den Beziehungsstatus der Studienteilnehmer.

Eine Beziehung macht glücklich

Die Forscher teilten die Teilnehmer in drei Gruppen ein: In die, die über den gesamten Zeitraum Single blieben, in eine Gruppe die innerhalb der Studie Beziehungserfahrungen sammeln konnten und in eine Gruppe mit Menschen, die eine feste Beziehung aufweisen konnten. Im Anschluss bildeten die Forscher sogenannte Zwillingspaare, also Studienteilnehmer deren Persönlichkeit sich so ähnlich wie möglich waren. So konnten sie später vergleichen, wie sich eine Beziehung auf die Persönlichkeit auswirkt, sobald der eine Zwilling eine feste Bindung eingeht.

Das erste eindeutige Ergebnis ist wenig überraschend ausgefallen: Junge Menschen, die in einer festen Beziehung sind, fühlen sich glücklicher im Leben als Singles – und zwar total unabhängig vom Alter. Laut der Studie war es egal, ob die Teilnehmer diese Beziehung mit 21 Jahren oder erst mit 24 Jahren eingegangen sind.

Ab Mitte 20 zeigen sich Auswirkungen auf die Persönlichkeit

Die Studie hat gezeigt, dass Teilnehmer, die im Alter von 21 bis 23 Jahren ihre erste Beziehung hatten, sich mit ihrer Persönlichkeit von Singles unterscheiden. Signifikante Änderungen zeigen sich jedoch bei den Menschen, die im Alter zwischen 23 und 25 Jahren die erste Partnerschaft eingingen. Im Vergleich zu gleichaltrigen Singles waren sie sozialer, gewissenhafter, emotional stabiler und weniger anfällig für Depressionen. „Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass man mit Mitte 20 eher den Anspruch hat, eine ernsthafte Beziehung einzugehen, als mit Anfang 20“, erläutert Wagner, „und die erste Beziehung dadurch die Persönlichkeit mehr beeinflusst.“

Die Forscher betonen aber, dass nicht nur die Beziehung die Persönlichkeit beeinflusst, der Prozess wirkt auch umgekehrt. Insbesondere die emotionale Stabilität und die Extraversion beeinflussen, ob jemand eine Partnerschaft eingeht oder nicht. Es kann also gut sein, dass die Persönlichkeitsveränderung bei diesen jungen Menschen die Beziehung überhaupt erst ermöglicht hat.

"Dies deckt sich mit Ergebnissen aus der Glücksforschung", kommentiert Andrea Abele-Brehm von der Deutschen Gesellschaft für Psychologie. "Dort fand man heraus, dass einerseits soziale Beziehungen glücklich machen, andererseits ausgeglichene und in sich stabile Personen auch größere Chancen haben, soziale Beziehungen einzugehen."

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