Von: Dennis L.
Fehlkalkulation

Gibt es überhaupt genug Schiefergas für das Fracking?

Der Boom mit der als „Fracking“ bekannten Fördermethode könnte deutlich schneller erlöschen als bisherige Voraussagen angenommen haben. Der Grund dafür sind schlicht Fehler in der Schätzung der Menge von vorhandenem Schiefergasen. Die Welt könnte damit auf einen wahrhaften Fracking-Crash zusteuern.

Ein Fracking-Feld in Wyoming.
© Peter Aengst / wikipedia.org

Austin (U.S.A.). Dank des boomenden Geschäfts mit Schiefergas in den USA reitet die Welt förmlich auf einer Welle aus billigem und natürlichem Erdgas. Gemäß offizieller Schätzungen dürfte es mehrere Dekaden dauern, bis diese bildliche Welle bricht. Ende letzten Jahres aber wurde eine neue Analyse veröffentlicht, die einen erheblich genaueren Blick auf das begehrte Schiefergas wirft. Das Ergebnis ist ernüchternd: Die natürlichen Vorräte dürften deutlich eher erschöpft sein als es die fördernden Unternehmen erwarten. Inzwischen bauen aber weite Teile der Welt auf genau dieses billige Gas aus meist us-amerikanischer Förderung. Ein Einbruch oder gar Zusammenbruch der Förderung könnte Schockwellen weit über die Grenzen der USA hinaussenden.

Laut der „United States Energy Information Administration“ wird die Förderung und Produktion von natürlichem Gas bis mindestens 2040 ansteigen. Dies gab Mason Inman in einem umfangreichen Artikel im Nature Magazin an. Mit dieser Prognose in der Hinterhand fließen Milliarden an US-Dollar in den Bau von Fabriken, Förderanlagen, Vertriebsgebäuden, Verwertungsanlagen, ja sogar Autos und Busse laufen inzwischen mit natürlichem Gas und werben damit.

Ob nun zum Guten oder Schlechten, denn Fracking steht nicht zu Unrecht in der Kritik, hat der Boom um Schiefergas die Landschaft der Energiegewinnung nachhaltig verändert. Das billige Gas verspricht (oder versprach) bezahlbare Energie für etwa die nächsten dreißig Jahre. Die leicht geringeren negativen Einflüsse auf das weltweite Klima lassen natürliches Gas vor Kohle treten und wird dadurch immer wieder als eine Art „Brückenbrennstoff“ für den Wandel hin zu erneuerbaren Energien verkauft. Aber auch die Katastrophe in Fukushima hat einige Länder weg von nuklearer Energieproduktion zu natürlichem Gas gelenkt. Obendrein ist die Kostenreduktion, die mit dem Schiefergas einhergeht, in den Voraussagen und Langzeitplänen vieler Regierungen und Volkswirtschaften rund um den Globus fest verankert und einkalkuliert.

“Diese rosigen Zukunftsvisionen könnten aber schnell verpuffen”, so Inman, “denn die Vorräte an Schiefergas könnten deutlich früher aus Sicht der Ökonomie nicht mehr rentabel bis lebensfähig sein.”

Fehlerhafte und ungenaue Berechnungen

Die bisherigen Prognosen zum Bestand des Schiefergasvorkommens in den USA nehmen die aktuelle Produktion und die Förderquoten als Berechnungsgrundlage für die Zukunft. Allerdings schwanken die Quoten extrem von Brunnen zu Brunnen und von Bundesstaat zu Bundesstaat, ja sogar in direkter Nachbarschaft. Zudem tendieren die Förderunternehmen immer erst den ertragreichsten (oder zumindest dies versprechenden) Brunnen auszuweiten. Deswegen sind die Prognosen, so Tad Patzek, Leiter des Department of Petroleum and Geosystems Engineering an der University of Texas in Austin, viel zu optimistisch.

Die genauere Betrachtung teilt die Schiefergasvorkommen nicht landesweit ein, sondern in Flöze, ähnlich wie bei der Kohleförderung. Die Schiefergasformationen sind immer etwa eine Meile breit. Das sich ergebende Bild weicht deutlich von den offiziellen Annahmen ab. Ihren Höhepunkt würden die Förderungen der großen Unternehmen bereits 2020 erreichen und von da ab sinken. Bereits 2030 würde die Förderung auf die Hälfte des jetzigen Stands gesunken sein.

Mit Saudi-Arabien und Russland sind die USA der weltweit größte Produzent für Öl und Gas. 2013 und 2014 wurde Schiefergas die wichtigste Quelle der us-amerikanischen Energiewirtschaft. Dank des günstigen Treibstoffs war es den USA und anderen Ländern möglich klimatisch negative beeinflussenden Faktoren abzusenken. Der Umstand auf ein deutlich „schwächeres Pferd“ für die langfristige Planung gesetzt zu haben, wird die Auswirkungen eines Zusammenbruchs des Marktes nur noch verschlimmern.

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