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Von: Andreas S.
Neue Daseinsform

Bakterien ernähren sich von Elektronen

Kalifornische Mikrobiologen haben eine völlig neue Daseinsform des Lebens entdeckt: Bakterien die sich ausschließlich von Elektronen ernähren.

Bakterien die sich von Elektronen ernähren.
© Kenneth Nealson / USC

Los Angeles (U.S.A.). Biologen der University of Southern California haben Bakterien entdeckt, die eine völlig neue Daseinsform bilden. Anders als jede bekannte Lebensform, ernähren sich die neu entdeckten Bakterien von elektrisch negativ geladenen Elementarteilchen. Kenneth Nealson und sein Team vergleichen das Verhalten der Bakterien mit Menschen, die ihre Finger in die Steckdose stecken, um auf diesem Wege Nahrung aufzunehmen.

"Der ziemlich drastische Vergleich soll das Ungewöhnliche verdeutlichen", so Nealson. Die Neuentdeckung dieser Daseinsform wirft generelle Fragen über das Leben und seine Formen im Universum auf. So könnten diese elektrischen oder auch elektrochemischen Bakterien, wie sie derzeit von der Wissenschaft bezeichnet werden, theoretisch auf jedem Planeten, Asteroiden oder Kometen im Universum existieren.

Bakterien bilden biologische Kabel zur Nahrungsaufnahme

Die elektrochemisch aktiven Bakterien bilden mehrere Zentimeter lange haarähnliche Filamente, mit denen sie Elektronen direkt von Gesteinen oder Metallen abtransportieren können. Diese biologischen Nanokabel wurden im übrigen kurz vorher völlig unabhängig von Forschern der dänischen Aarhus Universität entdeckt.

Bakterien könnten unbekannten Stromfluss am Meeresboden erklären

Schon lange rätseln Wissenschaftler über einen unerklärlichen Stromfluss am Meeresboden. Diese Bakterien könnten das Phänomen am Meeresboden erklären, so Nealson. Die Forschergruppe entdeckte die ungewöhnlichen Bakterien in Ozeansedimenten. Im Labor legten die Wissenschaftler mit Hilfe von Elektroden unterschiedliche Spannungsstärken an den Bakterienstamm an. Bei höheren Werten begannen die Bakterien Elektronen aus ihrer Umgebung abzubauen und diese über ihre Nanokabel aufzunehmen. Bei verringerter Spannung schieden die Bakterien Elektronen aus. Um sicher zu stellen, dass die Bakterien sich tatsächlich von Elektronen ernähren, entzogen die Wissenschaftler den Bakterien in einem aufwändigen Verwahren alle anderen Nahrungsquellen.

Wertvoller nutzen der elektrochemisch aktiven Bakterien

Annette Rowe arbeitet in der Gruppe der USC-Biologen und konnte bisher acht verschiedene Abarten der ungewöhnlichen Bakterien identifizieren. Die Bakterien sind in der Lage sich von unterschiedlichen Stoffen, wie beispielsweise von Eisen, Mangan und sogar von Uran zu ernähren. So könnten die Bakterien gezielt eingesetzt werden, um umweltgefährliche Stoffe zu neutralisieren. Auch die amerikanische Weltraumraumbehörde NASA zeigt große Interesse an den Bakterien, die in der Schwerelosigkeit gerne weitere Experimente durchführen möchte.

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