Augenheilkunde

Sehtest inklusive: Das gehört zum kostenlosen Angebot beim Optiker

 Robert Klatt  nenoitarepooK etlhazeb tlähtnE

Sehtest und Beratung bei einem Optiker )moc.sotohptisopedyduRegroeG(Foto: © 

Kostenlose Sehtests gehören heute zum Serviceangebot vieler Optiker. Für Verbraucherinnen und Verbraucher stellt sich dabei die Frage, welche Leistungen rund um den Sehtest wirklich kostenlos sind. Umfang, Detailtiefe, Aussagekraft und Ziel der Tests unterscheiden sich in der Regel deutlich von medizinischen Untersuchungen beim Augenarzt. Eine sachliche Einordnung zeigt, welche Leistungen Optiker kostenfrei anbieten, wann ein Sehtest kostenpflichtig wird und wo die fachlichen Grenzen liegen.

Warum bieten Optiker kostenlose Sehtests an?

In den meisten Fachgeschäften gehört ein Sehtest heute zur Beratungsleistung rund um einen Brillenkauf. Einige Optiker bieten die Kontrolle der Sehleistung als Serviceleistung kostenlos an, sofern sie zur Bestimmung wichtiger Parameter für die Anfertigung einer Sehhilfe erforderlich ist. Ein kostenfreies Angebot senkt die Hürde für Verbraucher, ihre Sehstärke überprüfen zu lassen. Gerade bei schleichenden Veränderungen, wie zum Beispiel bei zunehmender Kurzsichtigkeit oder altersbedingter Weitsichtigkeit, ermöglicht der Sehtest eine unkomplizierte Erstorientierung.

Ziel ist es, die individuelle Fehlsichtigkeit möglichst präzise zu bestimmen, um die Korrektur durch passende Brillengläser oder Kontaktlinsen bestmöglich an die Anforderungen der Kundinnen und Kunden anpassen zu können.

Stationäre Sehtests

Vor allem namhafte Optikerketten wie eyes + more haben den Sehtest als Qualitätsservice fest in den Kaufprozess integriert: Die Testung wird kostenfrei angeboten, sofern sie im Rahmen einer Brillenberatung erfolgt. Häufig ist eine Terminbuchung online möglich, in vielen Filialen sind aber auch spontane Tests durchführbar, abhängig von der aktuellen Auslastung.

Digitale Sehtests

Parallel zu stationären Tests haben sich in den letzten Jahren auch Online-Anbieter etabliert, die Sehtests vollständig digital anbieten. Mister Spex gehört zu den ersten Anbietern dieser Serviceleistung. Auch Fielmann hat den Service mit einem Online-Sehcheck aufgegriffen. Technisch basiert dieses Angebot auf webbasierten Seh- und Refraktionstests, die über Rechner, Tablet oder Smartphone durchlaufen werden.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist wichtig zu wissen, dass ein rein digitaler Sehtest die Fachberatung beim Optiker nicht ersetzen kann.

Tests am eigenen Bildschirm unterliegen Schwankungen bei Displaygröße, Abstand zum Gerät und Umgebungslicht und sind deshalb nur bedingt aussagekräftig. Eine präzise Refraktionsbestimmung ist allein auf digitaler Basis nicht möglich.

Digitale Sehtests dienen deshalb nur als grobe Orientierung, ersetzen aber nicht die subjektive Feinabstimmung im Rahmen eines klassischen Sehtests durch geschultes Personal im Fachgeschäft.

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Was Verbraucherinnen und Verbraucher beim kostenlosen Sehtest meist erwarten dürfen

Im Mittelpunkt steht die Überprüfung der Sehschärfe für unterschiedliche Distanzen. Mithilfe standardisierter Sehzeichen (z. B. Buchstaben- oder Landoltring-Tafeln) wird geprüft, welche Details je nach Abstand zur Sehtafel noch klar erkannt werden.

Die subjektive Refraktion ist der zentrale Schritt im Sehtest. Nach einer in der Regel computergestützten Vorabmessung werden dabei verschiedene Glasstärken direkt vor dem Auge getestet. Kundinnen und Kunden können selbst einschätzen, mit welcher Sehhilfe die Sicht besser ausfällt, und unterstützen die Optikerin oder den Optiker so bei der Feinjustierung. So soll nach und die individuell bestmögliche Sehschärfe bestimmt werden.

  • Minus- oder Plusstärken: Unterschiedliche Minus-oder Plusstärken geprüft (Kurz- bzw. Weitsichtigkeit

  • Zylinderwerte: Zylinderwerte angepasst (bei Hornhautverkrümmung)

  • Nahzusätze: Gegebenenfalls Nahzusätze getestet (z. B. bei Alterssichtigkeit)

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Entscheidend ist: Die Bewertung der Veränderung erfolgt durch die getestete Person selbst. Wird die Testung als subjektive Refraktion bezeichnet? Die Messung berücksichtigt nicht nur physikalische Werte des Auges, sondern auch das persönliche Sehempfinden. Zwei Menschen mit nahezu identischen Ausgangswerten können am Ende leicht unterschiedliche Feineinstellungen bevorzugen.

Für die Brillenglasanpassung ist dieser Schritt besonders wichtig, weil hier nicht nur maximale Sehschärfe, sondern auch Sehkomfort berücksichtigt wird, zum Beispiel bei längerem Lesen, Bildschirmarbeit oder Autofahren. Die subjektive Refraktion sorgt dafür, dass die spätere Brille nicht nur technisch korrekt, sondern auch alltagstauglich ist.

Im Anschluss an die Testung erfolgt meist eine Beratung zu geeigneten Glasarten und Anpassungen der Glasbeschaffenheit. Darüber empfehlen Optikerinnen und Optiker bei Auffälligkeiten wie ungewöhnlich starken Schwankungen oder deutlichen Sehverschlechterungen meist zusätzlich den Besuch bei einem Augenfacharzt.

Was ein kostenloser Sehtest nicht leisten kann

Ein Sehtest beim Optiker dient der Bestimmung der Fehlsichtigkeit, um im Rahmen einer Fachberatung die Anforderungen an eine Sehhilfe bestmöglich bestimmen zu können. Er ersetzt keine medizinische Untersuchung und kann keine Augenerkrankungen diagnostizieren. Der Sehtest im Optik-Fachgeschäft kann allerdings Anomalien erkennen lassen, die die Empfehlung einer augenärztlichen Untersuchung nach sich ziehen.

  • Tonometrie: Verfahren wie die Tonometrie (Messung des Augeninnendrucks) gehören zum Leistungsspektrum von Augenärztinnen und Augenärzten und sind in der Regel keine Standardleistung eines kostenlosen Sehtests im Fachgeschäft.
  • Netzhautuntersuchung:Eine Untersuchung der Netzhaut gehört ebenfalls zum Leistungsspektrum von Augenärztinnen und Augenärzten und ist keine Standardleistung eines kostenlosen Sehtests.
  • Langzeitbeobachtung: Auch für eine Langzeitbeobachtung von Veränderungen der Sehstärke oder der Augengesundheit ist ein Sehtest im Optik-Fachgeschäft nicht geeignet. Sollten hier besondere Anforderungen vorliegen, ist ein regelmäßiger Besuch bei einem Augenfacharzt immer erforderlich.

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Wann kann ein Sehtest kostenpflichtig werden?

In bestimmten Fällen können für einen Sehtest beim Optiker zusätzliche Gebühren anfallen. Das gilt besonders, wenn eine der folgenden Leistungen erforderlich wird:

  • Erweiterte Messverfahren: Etwa besonders detaillierte Analysen bei komplexen Sehproblemen.

  • Gutachten oder Bescheinigungen: Beispielsweise für Behörden oder Versicherungen

  • Spezielle Anforderungen: Etwa Sehtests für Führerscheinprüfungen oder arbeitsmedizinische Nachweise

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Diese Leistungen gehen über die reine Refraktionsbestimmung hinaus und sind deshalb häufig nicht im kostenlosen Standardangebot enthalten. In vielen Fachgeschäften ist die Inanspruchnahme entsprechender Leistungen gegen Aufpreis und nach vorheriger Absprache aber dennoch möglich.

So unterscheidet sich der Sehtest beim Optiker von der Untersuchung beim Augenarzt

Der zentrale Unterschied zwischen beiden Sehtest-Varianten liegt im Ziel der Messungen und Prüfverfahren:

  • Optiker: Der Optiker bestimmt die passende Sehstärke für eine Brille. Beim Optiker steht die Refraktionsbestimmung im Vordergrund.

  • Augenarzt: Der Augenarzt untersucht die Gesundheit des Auges und eventuelle Anomalien. Die augenärztliche Untersuchung umfasst weiterführende diagnostische Verfahren.

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Aus diesem Grund unterscheiden sich auch die verwendeten Messverfahren und die fachliche Tiefe. Während beim Optiker die Refraktionsbestimmung im Vordergrund steht, umfasst die augenärztliche Untersuchung weiterführende diagnostische Verfahren, wie zum Beispiel Spaltlampenuntersuchungen, eine Funduskopie oder Messungen des Augeninnendrucks.

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Beide Angebote ergänzen sich idealerweise zur Unterstützung der Sehkraft und der Augengesundheit. Der Sehtest liefert die Grundlage für eine präzise Sehkorrektur. Die augenärztliche Untersuchung dient der Früherkennung und Behandlung möglicher Erkrankungen.

Wie Verbraucherinnen und Verbraucher Angebote richtig einordnen können

Ein kostenloser Sehtest bietet eine fachgerechte Bestimmung der Sehstärke im Rahmen der Fachberatung für eine Sehhilfe. Eine medizinische Diagnostik der Augengesundheit kann er nicht leisten. Augenärztinnen und Augenärzte empfehlen deshalb etwa ab dem 40. Lebensjahr regelmäßige Kontrolluntersuchungen in einer Fachklinik, um eine zuverlässige Früherkennung zu gewährleisten. Der Sehtest beim Optiker kann Hinweise auf Veränderungen liefern, ersetzt jedoch keine medizinische Kontrolle.

Ein kostenloser Sehtest im Optik-Fachgeschäft ein niedrigschwelliger, wissenschaftlich fundierter Service zur Anpassung einer Sehhilfe.

Er ermöglicht eine präzise Bestimmung der Fehlsichtigkeit und bietet Verbraucherinnen und Verbrauchern eine klare Entscheidungsgrundlage für den Brillenkauf.

So ergänzen sich der kostenlose Sehtest beim Optiker und die augenärztliche Untersuchung zu einer umfassenden Versorgung der Sehkraft und Augengesundheit.

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