Zahlungswende

Deutschland zahlt erstmals mehrheitlich ohne Bargeld

 Dennis L.

(KI Symbolbild). In Deutschland vollzieht sich ein historischer Wandel an der Ladenkasse. Eine neue Erhebung der Deutschen Bundesbank zeigt, dass Verbraucher ihre Einkäufe im Jahr 2025 erstmals mehrheitlich ohne Bargeld bezahlt haben. Karten und Smartphones übernehmen zunehmend die Rolle von Scheinen und Münzen, ohne diese vollständig zu verdrängen. )IKnessiW dnu gnuhcsroF(Foto: © 

Jahrzehntelang war Deutschland eine Hochburg des Bargelds. Eine aktuelle Erhebung der Deutschen Bundesbank zum Zahlungsverhalten dokumentiert nun einen Wendepunkt, den es seit Beginn der Messreihe im Jahr 2008 nicht gegeben hat. Zwischen September und Dezember 2025 protokollierten Tausende Verbraucher ihre Einkäufe in einem detaillierten Zahlungstagebuch. Das Ergebnis markiert eine historische Verschiebung an der Ladenkasse.

Geld erfüllt in modernen Volkswirtschaften drei zentrale Funktionen. Es dient als Tauschmittel, als Recheneinheit und als Wertaufbewahrungsmittel. Wie Menschen im Alltag mit Geld umgehen, unterscheidet sich jedoch stark zwischen einzelnen Ländern. Während in Schweden oder den Niederlanden Scheine und Münzen längst eine Nebenrolle spielen, hielt sich in Deutschland über Jahrzehnte eine ausgeprägte Vorliebe für Barzahlungen. Ökonomen führen diese Präferenz unter anderem auf historische Erfahrungen mit Inflation und Währungsreformen, auf ein hohes Bedürfnis nach Datenschutz sowie auf die gute Kontrolle über die eigenen Ausgaben zurück. Bargeld funktioniert zudem unabhängig von Stromnetzen, Kartenterminals und Mobilfunkverbindungen und gilt deshalb als besonders krisenfest. Gleichzeitig hat die Digitalisierung des Handels neue Bezahlformen hervorgebracht, die vor allem jüngere Verbraucher als schneller und komfortabler empfinden.

Die Deutsche Bundesbank beobachtet diese Entwicklung seit dem Jahr 2008 mit einer regelmäßigen Studienreihe. Dafür befragt ein Marktforschungsinstitut mehrere Tausend zufällig ausgewählte Personen ab 18 Jahren und lässt sie zusätzlich über drei Tage ein detailliertes Zahlungstagebuch führen, in dem jeder Einkauf mit Betrag, Ort und Zahlungsmittel dokumentiert wird. Frühere Untersuchungen zum Zahlungsverhalten in Deutschland zeigten bereits einen kontinuierlichen Rückgang der Barzahlungsquote, zuletzt beschleunigt durch die Covid-19-Pandemie und die wachsende Verbreitung kontaktloser Kartenzahlungen. Im Jahr 2023 hielt das Bargeld mit einem Anteil von 51 Prozent aller Transaktionen noch knapp die Mehrheit. Für die aktuelle Erhebung wurden die Daten zwischen dem 8. September und dem 2. Dezember 2025 gesammelt. Die nun veröffentlichten Ergebnisse markieren einen tiefen Einschnitt in der deutschen Zahlungskultur.

Bargeldlose Zahlungen überholen erstmals die Barzahlung

Laut der in Frankfurt am Main vorgestellten Studie der Deutschen Bundesbank wurden im Jahr 2025 insgesamt 55 Prozent aller erfassten Einkäufe ohne Scheine und Münzen bezahlt. Erstmals seit Beginn der Messreihe lagen bargeldlose Zahlungen damit vor der klassischen Barzahlung. Der Anteil des Bargelds sank auf 45 Prozent und damit um sechs Prozentpunkte gegenüber der vorherigen Erhebung aus dem Jahr 2023. Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz sprach von einem anhaltenden Trend hin zu unbaren Bezahlformen. Trotz der Verschiebung bleibt Bargeld das einzelne Zahlungsmittel mit dem höchsten Nutzungsanteil, weil sich die bargeldlosen Verfahren auf mehrere Instrumente verteilen. Gemessen an der Zahl der Transaktionen liegt keine einzelne Karte und keine App allein vor den Scheinen und Münzen. Die Summe aller digitalen Bezahlwege überschreitet die Barzahlungsquote jedoch inzwischen deutlich.

Girocard dominiert und mobiles Bezahlen verdoppelt sich

Unter den unbaren Verfahren war die Debitkarte mit einem Anteil von 26 Prozent aller Zahlungen das meistgenutzte Instrument, wobei vor allem die Girocard zum Einsatz kam. Auf dem dritten Platz folgten mobile Bezahlverfahren mit Smartphone oder Smartwatch, deren Anteil sich gegenüber 2023 auf zehn Prozent nahezu verdoppelte. Wie in der Studienreihe der Bundesbank dokumentiert ist, verschiebt sich das Bild bei einer Betrachtung nach Umsätzen. Gemessen am bezahlten Betrag führen Kartenzahlungen mit 28 Prozent, während Bargeld und Überweisungen mit jeweils 23 Prozent gleichauf liegen. Die Erklärung liegt in der Struktur der Einkäufe, denn kleine Beträge an der Bäckertheke oder am Kiosk werden weiterhin häufig bar beglichen, während hohe Rechnungen überwiegend digital abgewickelt werden. Kontaktloses Bezahlen hat diese Entwicklung zusätzlich beschleunigt, weil es den Bezahlvorgang auf wenige Sekunden verkürzt.

Warum Bargeld trotzdem nicht verschwindet

Die Studie zeigt zugleich, dass die Digitalisierung des Zahlungsverkehrs nicht alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen erreicht. Ältere Menschen, Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen, geringem Einkommen oder wenig digitaler Erfahrung greifen deutlich häufiger zu Scheinen und Münzen. Zwölf Prozent der Befragten gaben an, ohne Bargeld große Schwierigkeiten bei der Bewältigung ihres Alltags zu haben, auf weitere 29 Prozent trifft dies zumindest teilweise zu. Unabhängig von den persönlichen Vorlieben halten es 80 Prozent der Teilnehmer für wichtig, dass weiterhin bar bezahlt werden kann. Die Bundesbank betont deshalb, Bargeld als kostengünstiges, effizientes und inklusives Zahlungsmittel erhalten zu wollen. Bereits frühere Analysen zur Zukunft des Bargelds in Deutschland hatten gezeigt, dass Verfügbarkeit und Akzeptanz nicht von selbst erhalten bleiben.

Bei der Akzeptanz gibt es bislang kaum Lücken, denn in 94 Prozent der erfassten Einkäufe vor Ort war eine Barzahlung möglich. Umgekehrt konnten 86 Prozent der Einkäufe auch bargeldlos beglichen werden, fünf Prozentpunkte mehr als 2023. Herausforderungen entstehen vor allem dort, wo Geldautomaten abgebaut und Bankfilialen geschlossen werden, was die Bargeldversorgung in ländlichen Regionen erschwert. Auch Selbstbedienungskassen im Einzelhandel und der öffentliche Nahverkehr akzeptieren Scheine und Münzen seltener. Auf europäischer Ebene laufen deshalb Verhandlungen über eine Verordnung, die eine breite Akzeptanz und gute Verfügbarkeit von Euro-Bargeld gesetzlich absichern soll. Parallel dazu soll ein digitaler Euro als zusätzliches gesetzliches Zahlungsmittel eingeführt werden, der Scheine und Münzen nach Angaben der Europäischen Zentralbank ausdrücklich ergänzen und nicht ersetzen soll. Die Wahlfreiheit zwischen baren und digitalen Bezahlwegen bleibt damit das erklärte Ziel der Währungshüter.

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