Von: Dennis L.
Unterrichtsreform

In Finnland sollen die Schulfächer abgeschafft werden

In Finnland sollen bis zum Jahr 2020 die Unterrichtsfächer wie Mathe, Englisch, Biologie oder Physik abgeschafft werden. Der Schulunterricht der Zukunft soll ohne klassische Schulfächer auskommen.

Keine klassischen Schulfächer mehr in Finnland.
© Metropolitan School / wikipedia.org

Helsinki (Finnland). Die wiederholten Spitzenplätze bei den Pisa-Studien zeigen, dass das finnische Schulsystem zu den erfolgreichsten weltweit gehört. Nun fordern finnische Bildungsexperten eine Reform, die den Schülerinnen und Schülern das Wissen noch besser vermitteln soll: Die komplette Abschaffung der traditionellen Schulfächer.

Marjo Kyllonen, Chefin der Bildungsbehörde in der finnischen Hauptstadt Helsinki erklärt in einem Bericht, dass viele Schulen immer noch ganz altmodisch, so wie es Anfang des 19. Jahrhunderts notwendig und erfolgreich war, unterrichten. Die Bedürfnisse seien heute aber nicht mehr dieselben. Man benötige ein Konzept, das in das 21. Jahrhundert passt.

Phänomenunterricht soll klassische Schulfächer ersetzen

Das neue Konzept, welches Kyllonen und ihre Kollegen entwickelt haben, sieht die komplette Abschaffung der bisherigen Schulfächer bis zum Jahr 2020 vor. Die Schüler sollen stattdessen Ereignisse und Themen interdisziplinär bearbeiten – ein Ansatz, der in Finnland bereits lange diskutiert wird. Die Expertengruppe bezeichnet dieses neue Lernsystem als Phänomenunterricht.

So soll beispielsweise bei dem Thema Zweiter Weltkrieg nicht nur der historische Hintergrund erläutert werden, sondern zeitgleich geografisches und psychologisches Wissen vermittelt werden. In Rollenspielen über das Berufsleben könnten zum Beispiel Wissen der klassischen Fächer Englisch, Wirtschaft und Kommunikationsfähigkeiten kombiniert werden.

Gruppenarbeit ist effektiver als Frontalunterricht

Zunächst sollen die klassischen Schulfächer nur an ausgesuchten Schulen und nur für Schüler ab 16 Jahren abgeschafft werden. Diese hätten dann die Möglichkeit, mit Blick auf ihre eigenen beruflichen Pläne diejenigen Projekte und Themen auszuwählen, die sie interessieren.

So entfällt zuerst in der Oberstufe das traditionelle Unterrichtsmodell, die Schüler sollen statt dessen in kleinen Arbeitsgruppen lernen und erarbeiten. Aber auch die jüngeren Schüler sollen den neuen Unterricht kennenlernen. In allen Schulen soll es zumindest eine längere Phase des fächerübergreifenden Phänomenunterrichts geben, teilte die Bildungsbehörde in Helsinki mit.

Von der neuen Reform profitieren nicht nur die Schüler, sondern auch die Lehrer: Sie müssen in Zukunft wesentlich stärker als bisher fächerübergreifend mit Kollegen zusammenarbeiten. Zwei Drittel aller Lehrer in Helsinki sind dafür bereits speziell geschult worden - und erhalten, wenn sie im neuen System unterrichten, dafür auch einen Lohnzuschlag.

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