Speichelfluss

Warum regelmäßiges Kaugummi kauen das Kariesrisiko senken kann

 Dennis L.

(KI Symbolbild). Wer regelmäßig zu zuckerfreien Varianten greift, unterstützt seine Zähne mehr als oft angenommen. Beim Kaugummi kauen steigt der Speichelfluss deutlich an, wodurch schädliche Säuren neutralisiert und Mineralstoffe in den Zahnschmelz zurückgeführt werden. Entscheidend bleiben jedoch die Zusammensetzung des Produkts und die richtige Anwendung nach den Mahlzeiten. )IKnessiW dnu gnuhcsroF(Foto: © 

Wer regelmäßig zu zuckerfreiem Kaugummi greift, tut nach heutigem Forschungsstand mehr für die Zähne als viele vermuten. Klinische Übersichtsarbeiten zeigen, dass der angeregte Speichelfluss Säuren neutralisiert und Mineralstoffe zurück in den Zahnschmelz transportiert. Besonders der Zuckeraustauschstoff Xylit bremst kariesfördernde Bakterien im Mund aus. Wie stark der Effekt ausfällt, hängt allerdings davon ab, welches Produkt wann und wie lange gekaut wird.

Kaugummi besteht aus einer unverdaulichen Kaumasse, die mit Süßungsmitteln, Aromen und Weichmachern versetzt ist. Der eigentliche gesundheitliche Effekt entsteht nicht durch die Kaumasse selbst, sondern durch den mechanischen Kauvorgang. Wer über mehrere Minuten kaut, regt die Speicheldrüsen an, sodass sie ein Vielfaches ihrer Ruhemenge produzieren. Speichel ist weit mehr als Flüssigkeit zum Schlucken. Er enthält Hydrogencarbonat, das Säuren abpuffert, sowie gelöstes Calcium und Phosphat, die für die Härtung des Zahnschmelzes wichtig sind. Nach jeder Mahlzeit sinkt der pH-Wert im Mund, weil Bakterien Zucker und Stärke zu Säuren abbauen. Genau in dieser kritischen Phase kann ein erhöhter Speichelfluss den Säureangriff verkürzen und die natürliche Selbstreinigung der Mundhöhle beschleunigen.

Der Zusatz zuckerfrei ist dabei die entscheidende Bedingung. Klassische Kaugummis mit Haushaltszucker liefern den säurebildenden Bakterien selbst Nahrung und fördern so die Entstehung von Karies. Zuckerfreie Produkte nutzen stattdessen Zuckeralkohole wie Xylit, Sorbit oder Erythrit, die von den relevanten Mundbakterien kaum oder gar nicht verwertet werden. Damit bleibt der positive Effekt des Kauens erhalten, ohne dass gleichzeitig neuer Nährstoff für schädliche Keime bereitgestellt wird. Fachgesellschaften und Ernährungsbehörden ordnen zuckerfreie Kaugummis deshalb als sinnvolle Ergänzung der täglichen Zahnpflege ein. Sie ersetzen weder das Zähneputzen noch die professionelle Reinigung, senken aber messbar das Karies-Risiko, wenn sie regelmäßig und im richtigen Moment eingesetzt werden. Für viele Menschen ist das ein niederschwelliger Zusatzbaustein für die Mundgesundheit.

Wie der Speichelfluss die Zähne schützt

Der zentrale Mechanismus hinter dem Zahnschutz ist der stimulierte Speichelfluss. In Ruhe produziert der Mund nur wenige Milliliter Speichel pro Minute, beim Kauen kann sich diese Menge vervielfachen. Dieser Speichel spült Nahrungsreste und lose Beläge weg und hebt den durch Bakterien abgesenkten pH-Wert wieder in einen weniger schädlichen Bereich an. Gleichzeitig wirkt Speichel wie ein natürliches Mineralstoffreservoir. Die enthaltenen Calcium- und Phosphationen lagern sich in oberflächlich entkalkte Schmelzbereiche ein und unterstützen die Remineralisierung, bevor eine sichtbare Läsion entsteht. Das ist der Grund, warum Zahnmediziner den Zeitpunkt direkt nach dem Essen als besonders wertvoll ansehen. Auch das Kaugummikauen ohne Zucker verstärkt diesen körpereigenen Reparaturprozess, ohne den Zahnschmelz mechanisch zu belasten oder abzutragen.

Welche Rolle Xylit und andere Zuckeraustauschstoffe spielen

Neben dem reinen Kaueffekt spielt die Wahl des Süßungsmittels eine wichtige Rolle. Xylit gilt als besonders zahnfreundlich, weil das Bakterium Streptococcus mutans diesen Zuckeralkohol zwar aufnimmt, ihn aber nicht zu Säure verstoffwechseln kann. Der Keim wird dadurch in seinem Wachstum gehemmt, und die Zahl kariesrelevanter Bakterien im Belag sinkt. Eine systematische Übersichtsarbeit von Forschern des King’s College London, deren Daten in einer Metaanalyse zur Kariesprävention zusammengeführt wurden, kommt zu einer präventiven Fraktion von rund 28 Prozent gegenüber Gruppen ohne Kaugummi. Betrachtet man ausschließlich Studien mit Xylit-Kaugummi, steigt dieser Wert auf etwa 33 Prozent. Die Autoren betonen jedoch die uneinheitliche Studienqualität und eine hohe Streuung zwischen den einzelnen Untersuchungen.

Ein zweiter Forschungsstrang untersucht direkt die Bakterienlast im Mund. Eine weitere systematische Übersichtsarbeit, deren Auswertung im Fachjournal BMC Oral Health erschienen ist, bestätigt, dass zuckerfreier Kaugummi die Konzentration von Streptococcus mutans signifikant reduziert. In den ausgewerteten Studien lag die Effektstärke bei etwa minus 0,42, bei reinen Xylit-Produkten sogar etwas höher. Weil die Zahl dieser Bakterien eng mit dem Kariesfortschritt zusammenhängt, gilt ihre Verringerung als plausibler Wirkpfad. Zugleich weisen die Forscher darauf hin, dass in mehreren Einzelstudien kein eindeutiger Effekt nachweisbar war. Zuckerfreier Kaugummi ist damit kein Allheilmittel, sondern ein wissenschaftlich gut begründeter Zusatzbaustein, der zwei Effekte kombiniert: mehr Speichelfluss durch das Kauen und eine bakteriostatische Wirkung durch den enthaltenen Zuckeralkohol.

Worauf man beim Kaugummikauen achten sollte

Damit die positiven Effekte tatsächlich eintreten, kommt es auf einige Details an. Sinnvoll sind ausschließlich zuckerfreie Produkte, idealerweise mit Xylit oder Erythrit als Hauptsüßungsmittel. Als günstiger Zeitpunkt gilt die Phase direkt nach den Mahlzeiten, in der etwa zehn bis fünfzehn Minuten Kauen ausreichen, um den Speichelfluss anzuregen und den Säureangriff abzufangen. Danach ist der zahnschützende Nutzen weitgehend ausgeschöpft. Interessant ist zudem, dass die Forschung an der Kaumasse selbst weitergeht: An der Universität Würzburg wurde etwa ein Kaugummi zur Früherkennung von Parodontitis entwickelt, der bei Entzündungen im Mundraum seinen Geschmack verändert. Solche Ansätze zeigen, wie vielseitig das Alltagsprodukt inzwischen medizinisch gedacht wird.

Gleichzeitig gilt der Grundsatz der Mäßigung. Wer dauerhaft und über Stunden kaut, kann die Kiefergelenke überlasten, was besonders bei bestehenden Fehlstellungen zu Beschwerden führt. Die in zuckerfreien Produkten enthaltenen Zuckeralkohole wie Sorbit können in größeren Mengen zudem abführend wirken und bei empfindlichem Darm Blähungen oder Durchfall auslösen. Für die meisten Erwachsenen gelten einige Stück pro Tag als unproblematische Obergrenze. Wichtig bleibt, dass Kaugummi das mindestens zweimal tägliche Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta und die Reinigung der Zahnzwischenräume nicht ersetzt, sondern nur ergänzt. Als beiläufiger Zusatz zur bestehenden Routine bietet zuckerfreier Kaugummi aber ein günstiges und gut verträgliches Mittel, um den Speichelfluss zu fördern und die Mundgesundheit im Alltag zu stützen.

JDR Clinical & Translational Research, A Systematic Review and Meta-Analysis of the Role of Sugar-Free Chewing Gum in Dental Caries; doi:10.1177/2380084419887178
BMC Oral Health, A systematic review and meta-analysis of the role of sugar-free chewing gum on Streptococcus mutans; doi:10.1186/s12903-021-01517-z

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