Deutlich geringe Startkosten

China entwickelt elektrisches Raketenstartsystem für das Dach der Welt

 Robert Klatt

Elektromagnetisches Raketenstartsystem auf dem tibetischen Plateau )udiaB(Foto: © 

Raketen verbrauchen in der Startphase einen Großteil ihres Treibstoffs. China möchte diese Phase deshalb überflüssig machen, indem Raketen mit einem elektromagnetischen System beschleunigt werden und erst in höheren Höhen ihren chemischen Antrieb zünden.

Ziyang (China). Raketen verbrauchen bis zu 70 Prozent ihres chemischen Treibstoffs in der Startphase, in der die Triebwerke für etwa zwei Minuten maximalen Schub liefern, um den Luftwiderstand zu überwinden und das enorme Gewicht zu beschleunigen. Das chinesische Commercial Spaceflight Launch Technology Research Institute arbeitet deshalb an einem elektromagnetischen Raketenstartsystem, das auf dem Qinghai-Tibet-Plateau, das auch als „Dach der Welt“ bezeichnet wird, installiert werden soll.

Das neue Startsystem ist eine Art bodengestützter Booster, der Raketen entlang einer festen Strecke beschleunigt. Dazu nutzt das elektromagnetische System anstelle teuren chemischen Treibstoffs eine Kombination aus Stromsystemen, supraleitenden Magneten und Präzisionsführungshardware, mit der es die Rakete während der Startphase beschleunigt.

Raketen erreichen mehrfache Schallgeschwindigkeit

Die Raketen sollen auf der elektromagnetischen Startspur mehrfache Schallgeschwindigkeit erreichen und dadurch in Richtung Weltraum fliegen. In der Zielhöhe zündet dann das chemische Triebwerk, um der Rakete das Durchdringen der Erdatmosphäre zu ermöglichen. Weil die Startphase rein elektromagnetisch erfolgt, reduziert diese Technik den Treibstoffbedarf und damit auch das Eigengewicht der Rakete stark.

Es wäre somit möglich, deutlich schwerere Nutzlasten, etwa mehrere anstatt nur einen Satelliten, bei einer identischen Startmasse wie bei klassischen Raketenstarts zu transportieren. Zudem wäre es möglich, die Startfrequenz stark zu erhöhen, weil das Bodensystem nicht durch die extrem heißen Triebwerkszündungen beschädigt wird.

Minimaler Luftwiderstand auf dem Dach der Welt

Um die Effizienz des Systems noch mehr zu erhöhen, soll die elektromagnetische Startspur auf dem tibetischen Plateau, also in einer Höhenlage mit sehr dünner Luft, entstehen. Der minimale Luftwiderstand sorgt dafür, dass die Erwärmung in der Beschleunigungsphase abnimmt und die Rakete weniger atmosphärische Schichten durchdringen muss als bei einem Start aus geringerer Höhe.

Im April 2025 haben die chinesischen Wissenschaftler bereits Tests mit einem Raketenmodell mit einem Durchmesser von 1,4 Metern erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurden vor allem die kritischen Teilsysteme, darunter die Steuerung des elektromagnetischen Systems und die Energiespeicherung, erprobt. Raketen in Originalgröße wurden mit dem System bisher aber nicht gestartet.

Quellen:

Bericht der South China Morning Post (SCMP)

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