Konsumverhalten

E-Produkte und Shishas sind bei jungen Rauchern beliebt

Robert Klatt

In Deutschland gibt es unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen immer weniger Raucher. Die Beliebtheit von Wasserpfeifen und E-Zigaretten steigt in dieser Altersgruppe aber.

Köln (Deutschland). In Deutschland ist der Anteil der Raucher bei den 12- bis 17-Jährigen in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken. Laut einer Publikation der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) rauchten 1979 noch über 30 Prozent der Jugendlichen, inzwischen sind es nur noch etwa sechs Prozent. Eine ähnliche Entwicklung gibt es auch bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren. In dieser Altersgruppe rauchten 1979 63 Prozent, aktuell sind es unter 25 Prozent.

Laut der Befragung unter 7.002 Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat sich außerdem die Art des Rauchens deutlich verändert. Während in den 1970er- bis 1990er-Jahren fast ausschließlich Zigaretten konsumiert wurden, nehmen nun vor allem Shisha Tabak und E-Zigaretten einen hohen Stellenwert ein.

Veränderungen beim Konsumverhalten

Wie die 30-Tage-Prävalenz, also der Anteil der Personen, die in den letzten 30 Tagen eine der Konsumformen genutzt haben, ist bei 12- bis 17-jährigen Jugendlichen die Wasserpfeife (9,0) die beliebteste der neuen Arten des Rauchens. Danach folgen E-Zigaretten (4,2) und E-Shishas (3,0). Auch den jungen Erwachsenen ist die 30-Tage-Prävalenz bei herkömmlichen Wasserpfeifen am höchsten (19,1), gefolgt von E-Zigaretten (6,6) und E-Shishas (3,0).

„Rauchen ist uncool: Nie zuvor haben mehr Jugendliche komplett auf das Rauchen verzichtet: 82,7 Prozent der 12- bis 17-Jährigen geben an, noch nie in ihrem Leben geraucht zu haben. Erfreulich ist auch die Entwicklung bei den jungen Erwachsenen. Hier erklären sich 44,3 Prozent als Nierauchende. Im Jahr 2001 waren es nur 23,1 Prozent. Allerdings bleibt der Konsum von Wasserpfeifen und E-Zigaretten nach wie vor problematisch, besonders vor dem Hintergrund, dass die langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen der inhalierten Substanzen weiterhin unklar sind“, kommentiert Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA die Studienergebnisse.

Positive Auswirkungen auf die Gesundheit?

Wie eine im European Heart Journal publizierte Metastudie von Wissenschaftlern um Professor Thomas Münzel von der Universitätsmedizin Mainz zeigt, wirkt sich das geänderte Rauchverhalten der Jugendlichen und jungen Erwachsenen sehr wahrscheinlich positiv auf deren Gesundheit aus. Im Rahmen der Studie analysierten die Forscher bereits vorhandene Studienergebnisse, um auf Basis einer großen Datenmenge Aussagen zu den Risiken der unterschiedlichen Konsumformen treffen zu können.

Sie untersuchten dabei, wie sich Zigaretten, E-Zigaretten und Wasserpfeifen auf den Körper auswirken, wie sie die Zellen in den Blutgefäßen (Endothel) beeinflussen und welche Chemikalien beim Rauchen freigesetzt werden. Außerdem untersuchten sie das Risiko für eine Reihe von Krankheiten, die mit dem Rauchen in Verbindung stehen.

Zigaretten deutlich gefährlicher als Shishas und E-Produkte

Laut den Ergebnissen der Metastudie steigt bei allen drei Rauch-Arten das Risiko für die Entstehung von Lungenkrebs und einer Chronisch Obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) deutlich. Verglichen mit Nichtrauchern erhöhen Zigaretten das Lungenkrebsrisiko um 1.210 Prozent und Shishas um 122 Prozent. Ob auch E-Zigaretten das Lungenkrebsrisiko erhöhen, kann laut Münzel anhand der analysierten Studien nicht beurteilt werden. Ähnlich ist die Situation auch bei der COPD. Das Risiko für die Krankheit nimmt im Vergleich mit Nichtrauchern durch Zigaretten um 704 Prozent zu. E-Zigaretten und Shishas erhöhen das Risiko hingegen um etwa 200 Prozent.

Außerdem untersuchten die Mediziner, ob und wie die Rauch-Arten sich auf die Arterien auswirken. Das Versteifen von Arterien ist ein deutliches Warnzeichen für ein stark erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall oder Herzprobleme. Im Vergleich zu Nichtrauchern nimmt das Risiko dafür durch Zigaretten um 10 Prozent zu, bei Shishas sind es neun Prozent und bei E-Zigaretten sieben Prozent.

European Heart Journal, doi: 10.1093/eurheartj/ehaa460

Spannend & Interessant
VGWortpixel