Von: Dennis L.
Vor US-Küste

Klimawandel sorgt für den Zerfall von Methanhydrat

Die Änderungen des Golfstroms erhöhen die Wassertemperaturen in den Ozeanen. Dies gefährdet die Stabilität des Methanhydratvorkommens der amerikanischen Küsten. Es drohen abrutschende Kontinentalhänge sowie ein gigantischer Methanausstoß, der das Klima sehr schnell und drastisch verändern kann.

Methanhydrat kurz vor dem Zerfall.
© MARUM

Dallas (U.S.A.). Internationale Forscher schätzen das weltweite Methanhydratvorkommen auf bis zu Billionen Tonnen. Zu finden ist das gefrorene Methanhydrat an zahlreichen Kontinentalränder in mehreren hundert Metern Tiefe. Nun droht an der Ostküste der U.S.A. Methanhydrat auf einer Fläche von rund 10.000 Quadratkilometern zu schmelzen und damit instabil zu werden. Seismische Analysen in dem US-Bundesstaat North Carolina geben den Forschern bereits erste Anzeichen. Grund für die plötzliche Instabilität des Methanhydrats sind vermutlich die warmen Wassermassen des Golfstroms, welcher die Wassertemperaturen im westlichen Atlantik in den letzten 5.000 Jahren um etwa acht Grad Celsius erhöht hat. Wie die Wissenschaftler im Fachblatt Nature berichten, könnte das freigesetzte Methan den Klimawandel drastisch beschleunigen und eine Kettenreaktion auslösen.

Methanhydrat ist eine feste Verbindung aus Methangas und Wasser. Unter hohen Druck und bei tiefen Temperaturen kann Methanhydrat Millionen Jahre in gefrorener Form stabil am Meeresgrund liegen, erklärt Benjamin Phrampus und Matthew Hornbach von der Southern Methodist University in Dallas. Dank 20 Atmosphären Druck, welche ab 200 Metern Tiefe herrschen, schließen fünf bis sechs Wassermoleküle ein Methanmolekül fest in einem stabilen Käfig ein. Steigt die Wassertemperatur jedoch über 4 Grad Celsius an oder fällt der Druck, zerfällt der Eiskäfig und das Methan wird freigesetzt und steigt zur Oberfläche. Durch den hohen Druck ist das Methan am Meeresboden sehr komprimiert. Durch das Aufsteigen ergibt sich dabei die 164-fache Menge nutzbaren Methangas.

Im flachen Küstengewässer hat die seismische Analyse gezeigt, dass die Stabilität von etwa zweieinhalb Milliarden Tonnen Methanhydrat nicht mehr gesichert ist. Jedoch konnten die Forscher keine Anzeichen dafür finden, dass das Methanhydrat in Tiefen von mehr als 1.000 Meter ebenfalls in Gefahr ist. Trotzdem äußern sich die Forscher vorsichtig, da ein aufsteigen des Methans schnell eine Kettenreaktion auslösen kann.

Sollte das Methan vom Meeresboden instabil werden und in die Erdatmosphäre gelangen, könnte dies eine weitere Erwärmung des Erdklimas zur Folge haben. Methan ist etwa 25 Mal so schädlich wie der klassische Klimakiller Kohlendioxid. Zudem könnte das plötzlich aufsteigende Methan küstenahe Hänge ins Rutschen bringen und Tsunamis auslösen.

Auch wenn die Wissenschaftler die drohende Instabilität des Methanhydrates nur an der amerikanischen Ostküste nachweisen konnten, glauben die Wissenschaftler nicht, dass es sich dabei um ein regionales Phänomen handelt. Es sei kaum vorstellbar, das der westliche Nordatlantik die einzige Meeresregion sein, in der die veränderten Meeresströmungen zu einem Temperaturanstieg geführt haben.

Derzeit erkunden Forscher die weltweiten gigantischen Gaslager unter dem Meer, in welchen mehr Kohlenstoff gespeichert ist, als in allen Erdöl- und Kohlevorkommen der Erde zusammen. Mit künstlichen Seebeben, Magnetfeldern und Schallkonaonen durchleuchten Geowissenschaftler nach und nach den Meeresboden an allen Küsten der Erde. Klaus Wallmann, Methanhydrat-Experte am Geomar-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel meint: "Mit dieser Erkundung ist man schon sehr weit. Die bisher ergiebigsten Fundstellen von Methanhydrat befinden sich in Alaska, rund um Japan, entlang der nord- und südamerikanische Pazifikküste, vor Westafrika, Indien und dem Schwarzen Meer".

Da Methanhydrat sehr empfindlich auf höhere Temperaturen reagiert, halten Klimaforscher Methanhydrat für eine tickende Zeitbombe, welche eine Kettenreaktion auslösen könnte. Steigt die Wassertemperatur in Folge des Klimawandeln nur um wenige Grad, werden die gigantischen Lagerstätten instabil und geben das Methan frei. Zahlreiche Methanblasen würden an die Oberfläche steigen und dabei die Schifffahrt gefährden, bevor das Methan schließlich in die Erdatmosphäre steigt. Zudem drohen die Ozeane zu versauern, welches lebensbedrohliche Folgen für die Unterwasserwelt hätte.

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