Teststrecke auf Autobahn

Induktives Laden von Elektroautos wird in Deutschland erprobt

Robert Klatt

Autobahn mit induktiven Ladespulen für Elektroautos )moc.noertcelemetsyS daoR cirtcelE noertcelE(Foto: © 
Auf den Punkt gebracht
  • In Deutschland wird eine öffentliche Autobahn mit Magnetspulen zum induktiven Laden von Elektroautos ausgestattet 
  • Die Teststrecke in Nordbayern soll 2025 für den normalen Verkehr freigegeben werden und dabei helfen die Technik zur Serienreife zu bringen

In Deutschland wird eine Autobahn mit Magnetspulen ausgestattet, die Elektroautos während der Fahrt induktiv laden können. Die öffentliche Teststrecke soll die Fahrbahnintegration testen und bei der Weiterentwicklung der Technik helfen.

Erlangen, Nürnberg (Deutschland). In Deutschland hemmen die Reichweite, die im Winter stark sinkt, die langen Ladezeiten und der Mangel an Ladestationen den Verkauf von Elektroautos. Das Projekt „eCharge“ der Technische Universität Braunschweig zeigte bereits 2021, dass das induktive Laden während der Fahrt die Reichweite von Elektroautos deutlich erhöhen könnte. Bisher wurde diese Technik, bei der Magnetspulen im Straßenbeleg ein hochfrequentes Magnetfeld erzeugen, das im Fahrzeug in elektrischen Strom umgewandelt wird, aber noch nicht auf öffentlichen Straßen erprobt.

Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen (FAU) und das israelische Unternehmen Electreon haben nun bekanntgegeben, dass die erste öffentliche Testastrecke mit einem induktiven Ladesystem in Nordbayern entsteht. Die Projektpartner statten dafür einen Kilometer einer öffentlichen Autobahn mit Ladespulen aus. Laut Alexander Kühl dient dies primär dem Zweck, die Fahrbahnintegration zu untersuchen.

„Der Aufbau einer Teststrecke ermöglicht uns, die Prozesse für die automatisierte Herstellung und Fahrbahnintegration zu erproben und deren Funktionalität zu demonstrieren.“

Serienreife für Ladetechnologie für Straßen

Das Ziel des Projekt E|MPOWER ist es, die induktive Ladetechnologie zur Serienreife zu bringen und einen Standard für die Serienproduktion von Spulen sowie für die Integration in Straßen zu entwickeln. Wie Jörg Franke erklärt, soll das Projekt Deutschland in diesem Bereich als Vorreiter etablieren.

„Das Projekt E|MPOWER ist der nächste wichtige Schritt, um die induktive Ladetechnologie für Elektrofahrzeuge einer breiten Öffentlichkeit näherzubringen und Deutschland als Vorreiter im Bereich der Produktionstechnologie zu positionieren.“

Die Teststrecke auf der deutschen Autobahn soll 2025 für den normalen Verkehr freigegeben werden.

Electric Road System (ERS) aus Israel

Die Ladespulen für das sogenannte Electric Road System (ERS) liefert das Unternehmen Electreon aus Israel. Dort existieren bereits Teststrecken, die unter anderem Stadtbusse in Tel Aviv während des Betriebs laden.

Die flachen Ladespulen sind in einem Endlosband aufgereiht und werden mit speziellen Verlegefahrzeugen verbaut. Diese können in nur einer Nacht etwa einen Kilometer Straße bearbeitet. Dabei wird eine Asphaltschicht abgetragen, dann werden die Spulen verlegt und eine neue Asphaltschicht wird aufgetragen. Die Haltbarkeit der Fahrbahnspulen liegt laut dem Entwickler des Systems je nach Belastung zwischen zehn und 20 Jahren.

Kein Magnetfeld im Normalzustand

Im Normalzustand sind die Spulen passiv und produzieren kein Magnetfeld. Wenn ein passendes Elektroauto mit einer Empfängerspule sich über den Ladespulen befindet, werden diese aktiv und der Ladevorgang beginnt. Laut Electreon soll die Ladeleistung auch für LKW ausreichen.

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