Von: Andreas S.
Sprechen lernen

Kleine Kinder lernen Sprache nicht durch Nachplappern

Forscher haben herausgefunden, dass kleine Kinder Sprache wesentlich kreativer als bisher vermutet lernen. Demnach kombinieren Zweijährige Wörter frei und sprechen diese nicht nur einfach nach.

Kleine Kinder lernen Sprache nicht durch bloßes Nachplappern.
© Loadmaster / wikipedia.org

Pennsylvania (U.S.A.). Der Sprachforscher Charles Yang von der University of Pennsylvania in Philadelphia hat in den Proceedings der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften neue Ergebnisse aus der Sprachforschung veröffentlicht. Mit der Forschung belegt Yang, dass Kleinkinder Sprache ganz anders lernen, als bislang vermutet wurde.

Grammatikalisch ist "ein Hund" und "der Hund" korrekt. Jedoch bevorzugen die meisten Menschen nur eine der beiden Kombinationen. Dieses Prinzip machte sich Yang für seine Studie zunutze. Er untersuchte, wie Kleinkinder die möglichen Kombinationen von Artikel und Substantiv beim sprechen verwenden. Für seine Studie analysierte Yang neun umfangreiche Datensätze von Zweijährigen, die gerade lernen zu sprechen. Diese Datensätze verglich der Sprachforscher mit einem Textkorpus (Brown Corpus), der aus 500 Texten besteht. In dieser Textsammlung wurde nur jedes vierte Substantiv einmal von einem bestimmten und einmal von unbestimmten Artikeln begleitet. Es zeigte sich, dass Zweijährige sich häufiger für einen Artikel entscheiden. "Es klingt absurd zu unterstellen, dass professionelle Schreiberlinge eine weniger systematische Grammatik nutzen als Zweijährige", schreibt Yang. Logisch betrachtet passt die Sprache der Kinder eher zu einer grammatischen Regel, der zufolge einzelne Wörter unabhängig voneinander kombiniert werden können.

Der Sprachwissenschaftler erstellte zudem ein Modell, wie Kleinkinder Artikel und Substantive miteinander kombinieren würden, wenn sie nur die Wortpaare ihrer Bezugspersonen nachplapperten. Dazu verwendete Yang eine Sammlung von rund 1,1 Millionen Bemerkungen, die Eltern in der Öffentlichkeit zu ihren Kleinkindern sagten. Das Modell ergab aber nicht im Ansatz so viele Kombinationen, wie die Kinder tatsächlich in der Sprache verwenden. "Zweifelsohne spielt das Gedächtnis eine Rolle, wenn Kinder eine Sprache lernen. Wörter und Redewendungen sind die offensichtlichsten Beispiele. Aber die Ergebnisse zeigen, dass das Gedächtnis nicht die kombinatorische Kraft der Grammatik ersetzen kann", so Yang.

Damit widersprechen die Forschungsergebnisse der gängigen Meinung, dass Kleinkinder Sprache durch reines Nachahmen erlernen.

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