Von: Dennis L.
Untreue

Es gibt weniger Kuckuckskinder als angenommen

Lange ging man davon aus, dass zwischen zehn und 30 Prozent aller Kinder sogenannte Kuckuckskinder sind, also Kinder von Vätern, die durch Unwissenheit das Kind eines anderen Mannes großziehen. Neuste Studien zeigen jedoch, dass die alten Daten viel zu hoch gegriffen waren.

Seit 500 Jahren ist der Anteil an Kuckuckskindern gleich hoch.
© Alexandra H. / pixelio.de

Löwen (Belgien). Wenn ein vermeintlicher Vater erfährt, dass seine Kinder gar nicht seine eignen sind, kann an diesem Vertrauensmissbrauch die Beziehung zerbrechen und er kann in eine tiefe seelische Krise stürzen. Glaubt man den alten Daten, so sind immerhin zwischen zehn und 30 Prozent aller Kinder sogenannte Kuckuckskinder – ein Wert der nach neusten wissenschaftliche Analysen jedoch viel zu hoch gegriffen ist.

Das Team um Maarten Larmuseau von der Katholischen Universität Löwen in Belgien hat das tatsächliche Vorkommen von Kuckuckskindern in einer neuen Studie ausführlich untersucht und konnte den prozentualen Anteil deutlich nach unten korrigieren. „Demnach sind lediglich zwischen ein und zwei Prozent Kuckuckskinder“, schreiben die Forscher im Fachmagazin Trends in Ecology & Evolution. „Auch in der Vergangenheit, als Frauen noch nicht mit der Pille verhüten konnten, sind Kuckuckskinder nicht signifikant häufiger gewesen“, ergänzt Larmuseau.

Anteil der Kuckuckskinder in den letzten 500 Jahren

Die Forscher haben untersucht, wie viele Kuckuckskinder es in einer Gruppe von Belgiern in den letzten 500 Jahren gab. Dazu haben sie genetische Informationen von Probanden ausgewertet, dessen väterliche Linie sich bis zum 18. Jahrhundert zurückverfolgen ließ. In Kombination mit der Ahnenforschung kam das Ergebnis gerade einmal auf 0,9 Prozent pro Generation.

Mit ganz ähnlichen Ansätzen haben inzwischen auch andere Forscher aus Italien, Mali, Spanien und Südafrika die belgische Studie bestätigen können. Selbst in anderen Ländern und sogar auf anderen Kontinenten weicht der prozentuale Anteil an Kuckuckskindern nicht signifikant von der belgischen Testgruppe ab.

Woher kommen die hohen Zahlen von bis zu 30 Prozent?

Bereits im Jahr 2005 beschäftigte sich der australische Forscher Michael Gilding mit der Frage, warum die Allgemeinheit davon ausgeht, dass der Anteil von Kuckuckskindern bei bis zu 30 Prozent liegt. Die ursprünglichen Quellen für diese Behauptungen seien nur schwer zu finden, da sie nie wissenschaftlich publiziert wurden.

Gilding schreibt in einem Fachartikel aber auch, dass der Grund für diesen Irrglauben in den veröffentlichten Zahlen von Laboren für Vaterschaftstests in den U.S.A. und Australien liege. Diese schreiben von Quoten von bis zu 30 Prozent. „Diese hohen Zahlen sind aber keineswegs aus der Luft gegriffen“, so Gilding. „Sie sind darauf zurückzuführen, dass Vaterschaftstest ja erst dann beauftragt werden, wenn ein Verdacht besteht.“ Unter diesem Aspekt findet Gilding, der seinen Fachartikel im Magazin People and Place veröffentlichte, eine Quote von 30 Prozent sogar noch niedrig.

Kosten evolutionärer Vorteile sind zu hoch

Die aktuellen Ergebnisse der Studie zum Anteil der Kuckuckskinder lässt die belgischen Forscher an der These des sogenannten Gen-Shoppings zweifeln. Diese Theorie besagt, dass Frauen gezielt untreu werden, um ihren Kindern bessere Gene als die ihres Lebenspartners zu verschaffen – und zeitlich kein moralisches Problem damit haben, ihrem Partner ein Kuckuckskind unterzuschieben.

Die belgischen Forscher vermuten eher, dass die eventuellen Kosten für die möglichen evolutionären Vorteile einfach zu hoch sind. Sollte der Betrug auffliegen, könnte die Partnerschaft zerbrechen und der Ziehvater sowie seine Verwandtschaft könnte aufhören, sich um das Kind zu kümmern.

Klarheit bringt nur ein Vaterschaftstest

Auch wenn optische Ähnlichkeiten zwischen Vater und Kind vorhanden sind, so bringt nur ein genetischer Vaterschaftstest Klarheit. Bei solch einem Test werden hochvariable Abschnitte der DNA des Kindes, sogenannte Marker, mittels Polymerase-Kettenreaktion untersucht. Dabei müssten zu 50 Prozent der die Gene der Mutter und zu 50 Prozent die Gene des Vaters nachweisbar sein. Gibt es bei der Analyse die väterlichen Gene keine Abweichungen, so kann ein Vaterschaftstest eines qualifizierten Labors die biologische Vaterschaft bestätigen.

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