Von: Dennis L.
Tierversuche erfolgreich

Molekül im Immunsystem kann Alzheimer stoppen

Durch die Blockade eines bestimmten Moleküls im Immunsystem von Mäusen konnten Mediziner die Symptome der Alzheimer-Krankheit bei Mäusen deutlich verbessern bzw. die Krankheit sogar ganz aufhalten. Nun sollen klinische Studien am Menschen zeigen, ob die erfolgreichen Versuche bei Mäusen auch auf den Menschen übertragbar sind.

Neue Hoffnung für Patienten mit Alzheimer.
© Gerd Altmann / pixelio.de

Berlin (Deutschland). Weltweit leiden schätzungsweise 35 Millionen Menschen an der noch rätselhaften Alzheimer-Krankheit. Ein internationales Forscherteam der Charité-Universitätsmedizin Berlin und der Universität Zürich konnten mit Versuchen an Mäusen nun neue Erfolge bei der Bekämpfung der Alzheimer-Krankheit erzielen. Durch die Bekämpfung eines bestimmten Moleküls gelang es ihnen, die typischen Alzheimer-Symptome erheblich zu reduzieren bzw. die Krankheit sogar ganz aufzuhalten.

Alzheimer ist bis heute noch recht unerforscht. Jedoch konnten Wissenschaftler bereits vor einigen Jahren einen Zusammenhang zwischen der Ablagerung des Eiweißes Amyloid-beta im Gehirn und der Krankheit nachweisen. Bei den aktuellen Versuchen an Mäusen konzentrieren sich die Forscher auf Interleukine, spezielle Botenstoffe im Immunsystem.

Im Fachmagazin Nature Medicine berichten Frank Heppner und Burkhard Becher, Leiter der medizinischen Studie, über ihre erzielten Erfolge. Bei ihrer Arbeit wiesen die Forscher erhöhte Konzentrationen der Botenstoffe Interleukin 12 und Interleukin 23 in den an Alzheimer erkrankten Mäusen nach. Beide Botenstoffe erhalten erhöhte Werte des Moleküls p40, welches aus anderen Studien bereits unter Verdacht standen, mit der Alzheimer-Krankheit in Verbindung zu stehen. Bei einer Versuchsreihe mit genetisch veränderten Mäusen blockierten die Wissenschaftler die p40-Produktion, in einer weiteren Versuchsreihe konnten sie verhindern, dass das verdächtige Molekül geeignete Andockstellen im Körper der Mäuse findet.

Bei beiden Versuchsreihen reduzierte sich die Eiweißablagerung von Amyloid-beta um rund 65 Prozent. Als direkte Folge besserten sich die typischen Alzheimer-Symptome. Diese Ablagerungen sind ein typisches Merkmal bei an Alzheimer erkrankten Mäusen und Menschen.

Im Laufe der weiteren Experimente verabreichten die Forscher den an Alzheimer erkrankten Mäusen Antikörper für das p40-Molekül. Diese wurde den Mäusen entweder in Blut oder direkt ins Gehirn gespritzt. Auch hier verringerten sich die Amyloid-beta Ablagerungen und das Erinnerungsvermögen verbesserte sich. Welche Funktion genau das Molekül p40 bei der Alzheimer-Krankheit spielt, konnte bis jetzt noch nicht bestimmt werden. Dies sollen zukünftige Studien klären. Jedoch sind die Forscher zuversichtlich, dass sich die erzielten Erfolge auch auf den Menschen übertragen lassen, da beim Krankheitsverlauf von Alzheimer viele Ähnlichkeiten zwischen Mensch und Maus existieren.

In einer kleineren Nebenstudie untersuchten die Mediziner die Gehirnflüssigkeiten von 39 an Alzheimer erkrankten und von 20 gesunden Menschen. Auch hier konnten die Forscher erhöhte p40-Werte nachweisen. "Diese Ergebnisse decken sich mit einer amerikanischen Studie, welche im Blut von Alzheimer-Patienten ebenfalls erhöhte p40-Werte nachweisen konnte", sagt Heppner.

In einer zeitnahen klinischen Studie wollen die Forscher herausfinden, ob sie die Reaktion der Antikörper auf den Menschen übertragen lassen und ob die Behandlung zu den selben Ergebnissen führt.

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