Von: Dennis L.
Anders als Hunde

Warum sich Wölfe nicht zähmen lassen

Biologen haben die Ursache gefunden, warum sich Wölfe, anders als Hunde, niemals zuverlässig zähmen lassen. Der Grund liegt im Entwicklungsstand der sogenannten Prägungsphase der Welpen.

Wolf in freier Natur.
© Malene Thyssen / wikipedia.org

Amherst (U.S.A.). Die US-Biologin Kathryn Lord von der University of Massachusetts in Amherst berichtet, dass Wolfswelpen ihre Umwelt ganz anders wahrnehmen als Hundewelpen und dadurch niemals so zutraulich wie Hunde werden. Dies hängt mit einer unterschiedlich schnellen Entwicklung der Sinnesorgane zusammen.

Obwohl Wölfe und Hunde genetisch sehr eng verwandt sind, haben Versuche gezeigt, dass es jungen Wölfen viel schwieriger fällt, sich mit anderen Lebewesen vertraut zu machen und die Ängste gegenüber dem Unbekannten abzubauen. Im Fachmagazin Ethology berichtet die Biologin über ihre Versuche und ihre Forschungsergebnisse.

Hunde haben im Laufe der Jahre gelernt mit dem Menschen zu kommunizieren und eine enge Bindung mit ihm einzugehen. Wölfe hingegen sind ihr ganzes Lebens furchtsam und unberechenbar - selbst wenn sie von der Hand aufgezogen wurden. Warum dies so ist, hat Lord nun in einer wissenschaftlichen Studie herausgefunden.

Demnach liegt der Grund für diesen Verhaltensunterschied bereits in der frühen Prägungsphase der Welpen. Wölfe beginnen bereits am der zweiten Woche damit, die Umgebung zu erkunden. Hunde machen dies erst ab der vierten Woche. In diesem Zeitraum beginnt bei beiden Tierarten eine vierwöchige Lebensphase der Sozialisierung. Hier lernen die Welpen, welche Lebewesen und Gegenstände in Ihr Lebensumfeld gehören und welche nicht.

Lord untersuchte die Sinne von 43 jungen Wölfen und 43 jungen Hunden auf Unterschiede in der Entwicklung. Dazu setzte sie die Tiere immer wieder unbekannten Gerüchen und Geräuschen aus und zeigte ihnen immer wieder neue Gegenstände.

Das Ergebnis ihrer Studie: Hunde- und Wolfswelpen entwickeln ihren Geruchssinn ab einem Alter von etwa zwei Wochen. Erst später nutzen die Tiere das Gehör und ihre Augen. Dies bedeutet, dass junge Wölfe in der wichtigen Prägungsphase ihre Umgebung blind erkunden und in dieser Zeit nur auf ihren Geruchssinn zurückgreifen können. Wenn die anderen Sinnesorgane hinzu kommen, ist die Sozialisierungsphase des Wolfes so gut wie abgeschlossen. Da den Wölfen die Gelegenheit fehlte, sich mit Geräuschen und Objekten vertraut zu machen, erscheinen diese bedrohlich, erklärt die Biologin.

Hunde verfügen in der Sozialisierungsphase bereits über alle Sinne. Aus diesem Grund können sich Hunde schon im jungen Alter ein komplettes Bild ihrer Umgebung machen und lernen, mit Menschen, Vögeln, Pferden und sogar Katzen gut auszukommen.

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