Von: Andreas S.
Schnabelwal

Unbekannter Wal in Neuseeland angespült

Seit mehr als 100 Jahren fanden internationale Forscher nach dem Schnabelwal, von dem bislang nur sehr wenige Knochenfunde und eine Phantomzeichnung existieren. Jetzt ist der mysteriöse Wal in Neuseeland an den Strand gespült worden und Forscher belegen seine Existenz.

Der erste gesichtete Schnabelwal.
© NZ Government

Opape Beach (Neuseeland). Noch nie haben Menschen ein lebendiges Exemplar eines Schnabelwals zu Gesicht bekommen. Es gibt lediglich drei Knochen dieses noch völlig unerforschten Wals, welche auf die  Existenz dieses Tieres hingedeutet haben: Im Jahr 1872 wurde ein Unterkiefer und in den fünfziger Jahren ein Schädelknochen des mysteriösen Wals in Neuseeland gefunden. Im Jahr 1986 wurde auf der chilenischen Crusoe-Insel ein weiterer Schädelknochen entdeckt. Mit Hilfe der Knochen konnten Forscher eine skizzenhafte Phantomzeichnung des sogenannten Bahamonde-Schnabelwal (Mesoplodon traversii) anfertigen. Außer das der Schnabelwal vermutlich im Pazifik beheimatet war, wusste die Wissenschaft nicht mehr über dieses Tier.

Spaziergängern, welche am Opape Beach an der Nordostküste Neuseelands unterwegs waren, haben nun zwei gut erhaltene Schnabelwal-Kadaver gefunden. Bei den toten Tieren handelt es sich um ein 5,30 Meter lange Weibchen und ein 3,50 Meter langes Männchen. Der männliche Schnabelwal ist das Kalb des weiblichen Tieres, wie eine DNA-Analyse zeigte. Die Studienleiterin Rochelle Constantine von der Universität Auckland ist begeistert über den Fund: "Zwischenzeitlich waren wir uns nicht sicher, ob die Art überhaupt noch existiert oder schon ausgestorben ist."

Die beiden Kadaver wurden bereits im Dezember 2010 gefunden. Es hat allerdings bis heute gedauert, um die Wale eindeutig als Bahamonde-Schnabelwale zu identifizieren und alle möglichen Verwechslungen auszuschließen. Bisher sind 21 Arten aus der Familie der Schnabelwale bekannt, aber selbst diese sind zum größten Teil noch unzureichend erforscht.

Im Fachmagazin Current Biology berichten Constantine und ihre Kollegen davon, wie schwer es ist, Schnabelwale voneinander zu unterscheiden. Zu den meisten Tieren beruhen die einzigen Erkenntnisse auf kurzen Sichtungen der Tiere. Äußerlich sind Schnabelwale kaum einer bestimmten Art zuzuordnen und bei toten Exemplaren ist eine äußerliche Identifizierung schwer, da charakteristische Färbungen nach dem Tod schnell verfallen.

Die erfahrene Meeresbiologin Constantine hatte die toten Bahamonde-Schnabelwale zunächst für Camerdown-Wale gehalten, einer Art, welche den Bahamonde-Schnabelwalen äußerlich sehr ähnlich sind. Wie bei anderen Arten der Schnabelwale ist der Rücken, der Schnabel und die Flossen schwarz gefärbt, der Bauch hingegen ist weiß. Erst eine DNA-Analyse brachte Klarheit und bestätigte: Bei den angespülten Wale handelt es sich um die lang gesuchten Bahamonde-Schnabelwale.

Über den Bestand dieser Tiere und deren Lebensweise ist bisher nichts bekannt. Die Forscher vermuten jedoch, dass die Bahamonde-Schnabelwale weit draußen im Pazifik leben und sehr tief tauchen um Jagd auf Kalmare und kleine Fische zu machen. Des weiteren tauchen diese Schnabelwale wohl sehr lang und sind auch nur sehr kurz an der Wasseroberfläche um Luft zu holen. Diese Theorie würde erklären, warum noch niemand ein lebenden Bahamonde-Schnabelwal zu Gesicht bekommen hat. "Zumindest nicht bewusst", schränkt Constantine ein, "denn wir wussten ja bisher nicht, wie die Tiere genau aussehen. Zukünftig lassen sich die Bahamonde-Schnabelwale wohl in freier Wildbahn beobachten, denn ab heute wissen wir zu mindestens, an welchen Merkmalen wir diese unerforschte Art erkennen", erläutert Constantine weiter.

Die Skelette der beiden Schnabelwale wurden in ein neuseeländisches Museum für Meeresbiologie gebracht, wo sie genausten untersucht werden sollen.

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