Von: Dennis L.
Grundlegende Änderung

Forscher fordern radikalen Neuaufbau des Dinosaurier-Stammbaums

Der seit nahezu über einem Jahrhundert stabile Stammbaum der Dinosaurier wird durch eine aktuelle britische Studie grundlegend in Frage gestellt. Doch nicht nur Dinosaurier-Fans sind geschockt, auch alle anderen müssen wahrscheinlich umdenken. Plötzlich sind Dinosaurier Vögel und Vögel sollen Dinosaurier sein.

Der Stammbaum der Dinosaurier soll geändert werden.
© Heinrich Harder / wikipedia.org

Cambridge (England). Dem britischen Paläontologen Seeley haben wir es zu verdanken, dass seit 130 Jahren alle Dinosaurier zwei Gruppen zugeteilt werden, den pflanzenfressenden Ornithischia (Vogelbeckensauriern) und den Saurischia (Echsenbeckensauriern). Wie der Name sagt, sieht man die Unterschiede im Wesentlichen im Bereich der Hüftknochen. Die Saurischia werden nochmals untergliedert in die pflanzenfressenden Sauropoden und die fleischfressenden Theropoden.

Paradoxerweise zählen Vögel zu den Echsenbeckensauriern. Diese Zuteilung erfolgt aufgrund der bisherigen Kenntnisse, dass Vögel theropode Dinosaurier sind, da sie im Jura aus flugunfähigen Theropoden hervorgegangen sind.

Lösung des Paradoxons

Matthew Grant Baron und seine Kollegen der University of Cambridge und des Natural History Museums haben jüngst einen Vorschlag gemacht, der dieses Paradoxon auflösen könnte. In der Fachzeitschrift Nature meinen Baron, Norman und Barrett, die Theropoden müssten von den Sauropoden getrennt und den Ornithischia zugeordnet werden. Somit würden Vögel zu den Vogelbeckensauriern gehören. Die Forscher um Baron haben sich bereits im letzten Jahr mit diesem Thema auseinandergesetzt und sowohl im Palaeontologia Africana als auch im Zoological Journal of the Linnean Society Artikel veröffentlicht.

Das Forschungsmodell

Zur Durchführung Ihrer Studie untersuchten Baron und seine Kollegen die Skelette 75 verschiedener Dinosaurierarten. Sie verglichen 457 verschiedener Merkmale der Skelette, welche über den gesamten Körper verteilt sind. Ihr Augenmerk legten sie auf die ältesten bekannten Dinosaurierarten. Mit den Daten entwickelten sie ein computergestütztes Wahrscheinlichkeitsmodell. Das Modell zeigt, wie die unterschiedliche Merkmalsausprägung am ehesten von statten gegangen sein könnte und wie die Auseinanderentwicklung wahrscheinlich abgelaufen ist.

Ergebnisanalyse

Das Modell zeigt, dass das Potenzial zur Entwicklung eines Vogelbeckens in der Gruppe der Theropoden schon immer angelegt war, sich nur zu unterschiedlichen Zeiten entwickelt hat. Für diese Theorie spricht, dass eine große Anzahl Theropoden sowie auch einige Ornithischia bereits federartige oder haarähnliche Strukturen aufwiesen. Bisher wurden solche Strukturen bei keinem einzigen Sauropoden entdeckt. Sie haben daher im Modell auch keine Beachtung gefunden. Baron meint, dass man die Sauropoden kaum noch als Dinosaurier bezeichnen dürfte. Sie seien eher nahe Verwandte. Damit aber nicht ausgerechnet Vorzeigedinosaurier, wie der Brontosaurus, ihren Status verlieren, wurde vorgeschlagen eine Begrifflichkeit des 19. Jahrhunderts wieder einzuführen. Forscher sind der Meinung, im Stammbaum der Dinosaurier sollte eine Zwischeneben eingefügt werden. Diese würde Theropoden und Ornithischia unter der Bezeichnung Ornithoscelida zusammenfassen.

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