Von: Dennis L.
Aufzeichnungen belegen

Verlangsamung der Erdrotation wurde bisher überschätzt

Babylonische Aufzeichnungen brachten es zu Tage: Die Rotation der Erde verlangsamt sich deutlich weniger als gedacht. War man bisher noch von 2,3 Millisekunden pro Jahrhundert ausgegangen, konnten britische Forscher des Königlich britischen Nautical Almanac Office nun nachweisen, dass die Verlangsamung nur gut 1,8 Millisekunden beträgt.

Erdrotation: Die Erde dreht sich langsamer als bisher angenommen.
© THEBLITZ1 / wikipedia.org

Taunton (Großbritannien). Dass unsere Tage durch die Jahrtausende immer länger werden, steht schon lange fest. Wie stark sie sich jedoch genau verlängern, stellte nun ein Team um Catherine Hohenkerk aus dem Königlich britischen Nautical Almanac Office fest. Verantwortlich für die Verlangsamung der Erdrotation ist der Mond.

Seine Gezeitenkräfte bremsen die Drehung der Erde um ihre eigene Achse ein. Hohenkerk und ihre Kollegen kamen nun jedoch zu der Einschätzung, dass statt der 2,3 Millisekunden pro Jahrhundert nur 1,78 Millisekunden dazukommen.

Babylonier und Mesopotamier liefern entscheidende Hinweise

Die entscheidenden Hinweise für das Forscherteam lieferten antike und mittelalterliche Schriften aus den Jahren 720 vor Christus bis 1600 nach Christus, sowie Verdunkelungen von Sternen durch den Mond seit 1600. Das Glück der Forscher war, dass schon die Babylonier und Mesopotamier genau festhielten, was zu welchem Zeitpunkt am Himmel zu sehen war. Die genaue Analyse tausender Datensätze und der Abgleich mit den Ergebnissen aus der Antike und dem Mittelalter haben schon vielen Astronomen geholfen und führten auch Hohenkerk und ihr Team zu ihrem Befund.

Mögliche Erklärungen

Die Suche nach den Gründen für die der Gezeitenwirkung des Mondes entgegengesetzte Beschleunigung der Rotation führte zunächst zu geodynamischen Effekten an der Grenze von Erdkern und Mantel. Darüber hinaus veränderte sich zum Ende der letzten Kaltzeit aber auch die Erdoberfläche, was die Drehung etwas beschleunigte. Grund dafür sind die großen Eismassen, die nun nicht mehr auf die Kontinente drücken. So konnte die Erdkruste langsam zurückfedern und die Rotation sich wieder beschleunigen.

Einfluss auf den Menschen

Zunächst ist der Einfluss auf jeden einzelnen Menschen natürlich sehr klein. Wenn man sich aber vor Augen hält, dass vor 400 Millionen Jahren ein Tag nur 21,9 Stunden dauerte, sieht das schon anders aus. Einen Tag mit 40 Stunden würden sich schon heute viele Menschen wünschen. Irgendwann könnte das Wahrheit werden, allerdings erst in ferner Zukunft.

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