Von: Andreas S.
Vierflügel-Gleiter

Dinosaurier hatte vier Flügel

In China haben Paläontologen den bisher größten Dinosaurier mit vier Flügeln entdeckt. Der Dinosaurier mit dem Namen Changyuraptor trägt die längsten Schwanzfedern aller bekannten Dinosaurierarten und besitzt zudem ausgeprägte Federn an den Hinterbeinen.

So könnte der Gleitflug des Changyuraptor ausgesehen haben.
© S. Abramowicz / NHM

Jinzhou (China). Paläontologen haben bereits in den vergangenen Jahren in China mehrere vogelähnliche Dinosaurier entdeckt. Einer von ihnen ist der Microraptor, der in der frühen Kreidezeit lebte. Dieser kleine Raubsaurier trug bereits am Schwanz sowie an allen vier Beinen lange und dichte Federn. Forscher vermuten deshalb, dass der Microraptor nicht nur laufen, sondern mit Hilfe seiner vier Flügel bereits kurze Strecken fliegen konnte.

Andere Forscher sehen die Flügel nicht als Gleit- oder Flughilfe, sondern eher als Balzschmuck. Demnach sahen die Dinosaurier zwar vogelähnlich aus, konnten aber nur mit den Federn flattern. Unklar ist daher, ob die ersten Dinosaurier tatsächlich den Ursprung der Vögel bilden.

Größter Fund eines Dinosauriers mit vier Flügeln

Gang Han und seine Kollegen der Bohai Universität in Jinzhou haben in der Liaoning-Provinz im Nordosten Chinas einen weiteren gefiederten Dinosaurier mit vier Flügeln entdeckt und damit die Diskussion über die Flugfähigkeit wieder angeheizt. Der versteinerte Dinosaurier stammt aus einer 125 Millionen Jahre alten Gesteinsschicht und gehört, wie der Microraptor, zur Verwandtschaftsgruppe der Dromeosauriden. Der Changyuraptor war etwa 1,32 Meter lang und wog vermutlich rund vier Kilogramm. Damit war der Changyuraptor rund dreimal so groß und mindestens vier Mal so schwer wie der Microraptor.

Anhand des Fossils konnten die Han und seine Kollegen erkennen, dass der Changyuraptor am Rumpf, an den Gliedmaßen und am Schwanz gefiedert war. Wie die Forscher berichten, sind die langen Federn am Schwanz und an den Hinterbeinen besonders auffällig. Wegen genau dieser Federn tauften die Paläontologen ihren Fund Changyuraptor yangi – Changyu bedeutet lange Feder auf chinesisch. Das Wort Raptor kennzeichnet räuberische Dinosaurier.

Das zweite Flügelpaar

Die Federn an den Hinterbeinen reichen von der Hüfte bis zum Mittelfuß. Sie überlappen sich und sind rund 13,5 Zentimeter lang. Wie die Paläontologen berichten, gehört der Changyuraptor damit eindeutig zu den vierflügeligen Dinosauriern. "Nach dem Microraptor ist er erst der zweite Dromeosauride mit solchen Federhosen – und mit Abstand der größte unter allen Vierflügel-Dinosauriern", berichtet Han.

Wenn das zweite Flügelpaar dem Changyuraptor wirklich als Gleithilfe gedient hat, wäre dies der Beleg dafür, dass die zwei zusätzlichen Flügel nicht nur kleinen Arten wie dem Microraptor als Stabilisatoren in der Luft gedient haben, sondern auch größeren Dinosaurierarten.

Schwanzfedern als Flugstabilisator

Die Schwanzfedern des Changyuraptor bestanden aus acht oder neun Federn mit etwa 30 Zentimetern Länge. „Das sind die längsten Schwanzfedern, die je bei einem nicht zu den Vögeln gehörenden Dinosaurier gefunden wurden", berichten die Forscher. Han vermutet, dass die Schwanzfedern ebenfalls als Gleithilfe dienten. Mit Hilfe aerodynamischer Modelle errechneten die Forscher, dass der vom Schwanz erzeugte Auftrieb rund 20 Prozent des Körpergewichts des Changyuraptors ausgleichen konnte.

Koautor Michael Habib von der University of Southern California in Los Angeles vermutet, dass der Schwanz als eine Art Steuerruder diente und dem Dinosaurier dabei half, den Gleitwinkel abzuflachen. "Gerade für die größeren Microraptor-Verwandten könnte diese Stabilisierung der Fluglage besonders wichtig gewesen sein, weil sie wegen ihres größeren Gewichts schneller abwärts sanken."

Ob Changyuraptor tatsächlich fliegen oder gleiten konnte, lässt sich noch nicht eindeutig belegen. Das Fossil verrät nur, dass er es vermutlich gekonnt hätte. "Es ist klar, dass wir noch viel mehr Belege benötigen, um die Nuancen des Dinosaurierflugs zu verstehen", ergänzt Koautor Luis Chiappe vom Natural History Museum of Los Angeles County. "Aber der Changyuraptor ist schon mal ein großer Satz in die richtige Richtung."

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