Von: Dennis L.
Alte Höhlenkunst

Bereits der Neandertaler dekorierte seine Höhle

Die neusten Entdeckungen in Gibraltar verschieben das Wissen, welches Archäologen über Höhlenkunst haben. So hat bereits vor gut 39.000 Jahren der Neandertaler seine Höhlen mit Wandverzierungen geschmückt. Bislang dachte man, dass die Höhlenkunst erstmals beim modernen Menschen Anwendung fand.

Die kunstvollen Einkerbungen im Gestein.
© The Gibraltar Museum / Clive Finlayson

Gibraltar. Ein internationales Forscherteam hat in einer Höhle in Gibraltar verschiedene Felsgravuren entdeckt. Die Kreuzförmigen Einkerbungen sind mindestens 39.000 Jahre alt und werden damit der Zeit des Neandertalers zugeordnet. Bislang dachte man, dass der moderne Mensch, also der Homo sapiens, als erster dekorative Wandverzierungen in Höhlen anlegte.

Die Archäologen Ruth Blasco und Clive Finlayson sowie ihr Team vom Gibraltar-Museum schließen aus, dass die Rillen versehentlich entstanden oder natürlichen Ursprungs sind.

Der Fundort der alten Höhlenkunst

Gefunden wurde die alte Höhlenkunst in der Gorham-Höhle in Gibraltar an der Südspitze der iberischen Halbinsel. Diese ist Archäologen bereits lange als ehemalige Behausung von Neandertalern bekannt. Die Wissenschaftler entdeckten die unscheinbaren Gravuren auf einer rund einem Quadratmeter großen Plattform in einer Höhe, die 40 Zentimeter über dem Niveau des damaligen Höhlenbodens liegt.

Die unterste Deckschicht über der Gravur datierten sie mit geochemischen Analysen auf ein Alter von gut 39.000 Jahren. Die Einkerbungen selbst müssen also älter sein. Zu der Zeit ist der moderne Mensch noch nicht in dieser Gegend angekommen, schreiben die Experten im Fachblatt Proceedings der US-nationalen Akademie der Wissenschaften.

Ausschluss: Keine versehentliche Muster sondern Kunst

Damit die Archäologen ausschließen konnten, dass es sich bei den Rillen um versehentliche Muster handelt, die beispielsweise bei alltäglichen Arbeiten entstanden sein könnten, haben sie ein Experiment durchgeführt.

So haben die Archäologen beispielsweise Schweinehaut mit damaligen Werkzeugen zerschnitten. Dies hinterließ zwar auch Spuren um Gestein, diese waren aber bei weiten nicht so tief ausgeprägt. Um Rillen mit der selben Vertiefung im Fels zu hinterlassen, brauchten die Archäologen 54 kraftvolle Schnitte mit den Werkzeugen der Moustérien-Kultur. Um die Zeichnung, bestehend aus acht großen und fünf kleineren Rillen, zu kopieren, brauchten sie zwischen 188 und 317 Schnitte.

Kunst des Neandertalers

"Wir folgern, dass diese Gravuren ein absichtliches Muster darstellen, erdacht, um von seinem Neandertaler-Schöpfer gesehen zu werden und - unter Berücksichtigung seiner Größe und Lage - auch von den anderen in der Höhle", schreibt das Forscherteam.

Den Erkenntnissen der Forscher zufolge wanderten Phosphor- und Manganionen aus der Deckschicht in die oberste Schicht des Kalksteins. Aus dem tieferen Kalkstein selbst gelangten dann Magnesium und Kalzium an die Oberfläche. Diese mineralische Härtung des Kalksteins habt die Felsgravuren besonders gut konserviert, erklären die Wissenschaftler.

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