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Von: Arno K.
Schmerzhafter Stich

Gift der 24-Stunden-Ameise verursacht die stärksten Schmerzen

Weder das Gift einer Hornisse oder das eines andern Insekts ist derart schmerzvoll wie der Biss der 24-Stunden-Ameise. Wie der umgangssprachliche Name bereits vermuten lässt, ist die Dauer der Schmerzen bis zu 24 Stunden wirksam - und das äußerst heftig.

Die 24-Stunden-Ameise besitzt das schmerzhafteste Gift in der Insektenwelt.
© Geoff Gallice / wikipedia.org

Die 24-Stunden-Ameise (lat. Paraponera clavata) hat noch weitere durchaus Furcht einflößende Namen wie: Gewehrkugelameise oder tropische Riesenameise. Zum einen wird damit die imposante Größe von 18 - 25 Millimeter beschrieben, weiterhin schießt der Schmerz dieses Insekts so schnell und heftig ein wie ein Treffer der Gewehrkugel. Die Heimat der 24-Stunden-Ameise ist die Küstenregion von Süd- und Zentralamerika, die bevorzugten Gefilde erstrecken sich vom Meeresspiegel bis auf 500 Höhenmeter. Ohne Grund verhalten sich die 24-Stunden-Ameisen nicht aggressiv. Ihr Gift verwenden sie bei Gefahr um Angreifer abzuwehren oder zu betäuben. Dennoch meiden andere kleinere Tiere die 24-Stunden-Ameise – und das aus gutem Grund. Sie leben in verhältnismäßig kleinen Kolonien, deren Anzahl bis auf wenige tausend Ameisen beschränkt ist. Königinnen der Paraponera clavata sind nur geringfügig größer als die Arbeitertiere und ähneln im Aussehen dem von Wespen.

Keine Steigerung: Der schmerzhafteste Insektenstich, den es gibt

So ungefährlich das Nervengift der 24-Stunden-Ameise für den Menschen ist, umso stärker ist der Schmerz, der bis zu 24 Stunden anhält. Das Empfinden wird wie das Verbrennen am eigenen Leib beschrieben. Die Reaktionen auf das Gift sind vielseitig, schmerzhafte Phasen werden immer wieder durch starkes Zittern und Schweißausbrüche begleitet. Zur Schmerzlinderung können sich Betroffene mit Diphenhydramin, ein Antiserum behandeln. Weiterhin kann die Kühlung mit Eis auf die Bissstelle Linderung bringen. Dennoch bleibt trotz medizinischer Behandlung ein extrem heftiger Schmerz, den es so lange auszuhalten gilt, bis dieser nach etwa 24 Stunden von alleine vergeht.

Der US-amerikanische Insektenforscher Justin Orvel Schmidt führte den Schmidt Sting Pain Index, zu deutsch Schmidt-Stichschmerz-Index ein. Im Laufe seines Arbeitsleben lies sich der Insektenforscher von zahlreichen Insekten aus aller Welt stechen und ordnete die Schmerzen je nach Intensität in einer vierstufigen Skala ein, wobei es in den einzelnen Stufen nochmals eine Unterteilung in Nachkommastellen gibt.

Einen Auszug aus dem Schmidt-Stichschmerz-Index sieht folgendermaßen aus:

  • Stufe 1.0
    Leicht, flüchtig, fast fruchtig. Als ob ein winziger Funke ein einziges Haar auf dem Arm ansengt. Diese Schmerzen verursachen beispielsweise Blutbienen oder Furchenbienen
  • Stufe 1.2
    Scharf, plötzlich, etwas beunruhigend. Als ob man über einen Flokatiteppich läuft, sich statisch auflädt und einen elektrischen Schlag bekommt. Zu dieser Schmerzbeschreibung zählen beispielsweise Feuerameisen.
  • Stufe 1.8
    Ein seltener, stechender, irgendwie hoher Schmerz. Als ob jemand eine Heftklammer in deine Wange schießt. Auslöser für diesen schon sehr intensiven Schmerz ist beispielsweise die Knotenameisen.
  • Stufe 2.0
    Reichhaltig, herzhaft, und heiß. Als ob jemand eine Zigarre auf deiner Zunge auslöscht. Dieser schon unerträgliche Schmerz wird zum Beispiel durch einen Stich der Kurzkopfwespen ausgelöst.
  • Stufe 2.2
    Wie ein abgebrochener Streichholzkopf, der auf deiner Haut abbrennt. Der Stich von Honigbienen oder Hornissen fühlt sich beispielsweise so an.
  • Stufe 3.0
    Ätzend, brennend und unerbittlich. Als ob jemand einen Bohrer benutzt, um einen eingewachsenen Zehennagel freizulegen oder man einen Becher mit Salzsäure über eine Schnittwunde schüttet. Dieser unerträgliche Schmerz wird beispielsweise durch Ernteameisen oder Feldwespen verursacht.
  • Stufe 4.0
    Heftig, blendend, furchtbar elektrisch. Als ob jemand einen laufenden Haartrockner in dein Schaumbad fallen lässt. Verursacht wird dieser Schmerz beispielsweise durch Pepsis formosa, einer Wegwespenart.
  • Stufe 4.6
    Reiner, intensiver, strahlender Schmerz. Als ob man über glühende Kohlen läuft und dabei einen sieben Zentimeter langen, rostigen Nagel in der Ferse stecken hat. So fühlt es sich an, wenn man mit dem Gift der 24-Stunden-Ameise in Kontakt gekommen ist.

Damit bestätigt Schmidt, dass das Gift der 24-Stunden-Ameise das schmerzhafteste Insektengift aller bisher bekannten Insekten ist.

Die 24-Stunden-Ameise als Teil traditioneller Zeremonien

Der Biss der 24-Stunden-Ameise ist bei manchen süd- und mittelamerikanischen indigenen Völkern und Stämmen Bestandteil wichtiger Rituale. Hierbei wird der Übergang des Jungen zum Mann zelebriert und gefeiert. Als Höhepunkt einer mehrtägigen Zeremonie und tranceartiger Tänze werden den Anwärtern präparierte Handschuhe aus Blättergeflecht über die Hände gestülpt. Im Inneren der Handschuhe sind mehrere hundert dieser Ameisen eingearbeitet. Den Schmerz der zahlreichen Bisse ohne Regung auszuhalten, ist der Beweis für die Reife des heranwachsenden Mannes. Wer diesem Schmerzzustand nicht standhält, zeigt sich noch als unreif, die Mutprobe darf zu einem späteren Zeitpunkt wiederholt werden.

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