Von: Dennis L.
Heute wie früher

Die Geschichte des akademischen Ghostwritings

Der Begriff Ghostwriting ist heutzutage in aller Munde. Jedem ist bewusst, dass viele Politiker, Schauspieler, Sportler und Sänger ihre Autobiografien, Reden und Texte von einem Ghostwriter schreiben lassen. Stars und Sternchen verfügen meist nicht über die benötigte Zeit und in den wenigsten Fällen auch nicht über die nötigen Fähigkeiten, um ein Buch selbst zu verfassen. Hier gilt es, die Werke eines Ghostwriters und Plagiate strikt voneinander zu unterscheiden.

Die meisten der größten Reden wurden von Ghostwriter geschrieben.
© P. Hansen / wikipedia.org

Ein Ghostwriter oder sogenannter Phantom- oder Auftragsschreiber hat immer einen offiziellen Auftrag zum Verfassen eines Werkes. Dieser kommt meist vom Autor selbst, einem Verlag oder einer Agentur, die sich auf die Vermittlungen auf diesem Gebiet spezialisiert hat. Von Abschreiben oder sogar Stehlen kann nicht die Rede sein – ist ein Ghostwriter doch ernsthafter Vordenker und Verfasser von Schriftstücken.

Akademisches Ghostwriting – so alt wie das Schreiben und die Wissenschaft selbst

Schon im antiken Griechenland gab es Auftragsschreiber. Die sogenannten Logographen verfassten für Ankläger und Angeklagte Gerichtsreden, die dann die jeweiligen Prozessparteien als Plädoyers auswendig vortrugen. Nur den Logographen war es auch vorbehalten, eine monetäre Vergütung für diese Dienste zu verlangen. Anderen Fürsprechern des Klägers oder Beklagten war dies verboten. Heutzutage dienen die Gerichtsreden der Logographen den Wissenschaftlern als wichtige historische Quelle und sind Grundstein der Rechtsforschung des antiken Griechenlands.

Der wohl bekannteste Ghostwriter der Antike war Isokrates, der ebenfalls als Logograph tätig war und Gerichtsreden verfasste. Um 400 vor Christus gründete Isokrates als Rhetoriklehrer eine Rhetorikschule in Athen. Auch die bekannten Rhetoriker Lysias und Demosthenes lebten und arbeiteten zu Zeiten des Isokrates und boten ihre Dienste an. Es ist davon auszugehen, dass etliche Auftragsschreiber zu dieser Zeit ihren Unterhalt damit verdienten.

Auch im römischen Reich gab es Ghostwriter. Hier war es damals üblich, sich ausgefeilte und rhetorisch einwandfreie Reden auf den Leib schreiben zu lassen. So stammen einige wichtige Schriftstücke, die ein Senator vor dem Senat vortrug oder als Dekret oder Erlass einreichte, nicht aus der eigenen Feder.

Ghostwriting in vielen Disziplinen

Nicht nur die gesetzgebende Gewalt bediente sich der Phantomschreiber. Auch der Klerus verfügte von jeher über „Schreiber im Auftrag des Herrn“. So ist es seit vielen Jahrhunderten üblich, dass Jesuiten im Vatikan als päpstliche Ghostwriter tätig sind. Als einer der bekanntesten Vertreter dieser Gruppe ist wohl der Niederländer Sebastian Tromp S. J. zu nennen. Dieser avancierte im zwanzigsten Jahrhundert in klerikalen Kreisen zu einer gewissen Berühmtheit – gilt er doch als eigentlicher Autor der Enzyklika „Mystici corporis“, einer Zusammenfassung der katholischen Mysterien aus der Sicht Papst Pius XII.

Mit fremden Federn schmücken

Ein roter Faden zieht sich durch die Antike bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts: In der aristokratischen und wohlhabenden Bevölkerungsschicht schmückte sich der ein oder andere gerne mit akademischen Titeln. Doch woher nehmen, wenn nicht stehlen? Damalige Gelehrte konnten mit Ihrem Auskommen kaum die Familie ernähren, geschweige denn Forschungsergebnisse veröffentlichen. Ihnen fehlten schlichtweg die Mittel dafür. Reiche Bürger traten deshalb sehr gerne als Geldgeber auf. Die mittellosen Gelehrten veröffentlichten folgerichtig Forschungsergebnisse und Dissertationen unter eigenem Namen und zusätzlich unter dem Namen „junger Akademiker“ – derer der spendablen Mäzene.

Hätten Sie es gewusst? Einer der bekanntesten französischen Romanschriftsteller aus dem 19. Jahrhundert, Alexandre Dumas, Autor von Historienromanen wie etwa „Der Graf von Monte Christo“ und „Die drei Musketiere“, arbeitete mit etlichen Ghostwritern gleichzeitig zusammen. Die genannten Romane stammen – erwiesenermaßen – nicht aus der Feder Dumas’, sondern aus der des Auftragsschreibers Auguste Maquet. Allein im Jahr 1844 brachte Dumas, mit etlichen Ghostwritern, mindestens dreizehn vollständige Historienromane hervor. Insgesamt schrieb Dumas in Zusammenarbeit mit verschiedensten Phantomschreibern hunderte Romane – ob die Geschichten der Fantasie Dumas’ entsprangen oder denen der Ghostwriter, ist nicht mehr nachzuvollziehen.

Akademisches Ghostwriting heute

Wie eingangs schon erwähnt, ist es für Politiker und Prominente üblich, Biografien von Ghostwritern schreiben zu lassen. Aber auch auf dem wissenschaftlichen Parkett nutzen immer mehr angehende Doktoren, Bachelor und Master die Dienstleistungen akademischer Ghostwriter. Hier geht es aber – wie bereits erörtert – nicht um das Plagiieren oder unselbständige Erbringen einer Leistung. So versichert jeder Prüfling bei Abgabe seiner Abschlussarbeit an Eides statt, die Arbeit selbstständig und ohne unzulässige fremde Hilfe erbracht zu haben. Dazu erklärt Dr. Roland Franke, Gründer und Inhaber der Ghostwriting-Agentur Dr. Franke-Consulting aus dem westfälischen Löhne:

"In den meisten Fällen geht es um die Überwindung einer Schreibblockade, die sich nicht auflösen will. Hier bieten Ghostwriting Agenturen ihre Dienste an. So geben wir fachlich kompetente Hilfestellung auf hohem Niveau und unterstützen bei Recherchearbeiten, beim Schreiben von kleineren Textpassagen, dem Anlegen eines Literatur- und Quellenverzeichnisses und führen auf Wunsch eine Plagiatsprüfung durch."

Gerade der Aspekt der Plagiatsprüfung spielt heutzutage eine immer wichtigere Rolle. Moderne Verfahren und Prüfungsmethoden erlauben den Prüfungsämtern eine sehr detaillierte Überprüfung einer Dissertation, Bachelor- oder Masterarbeit.

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